Zusätzlich 7 Mio Euro für aktive Arbeitsmarktpolitik in Wien

Erster Erfolg des Sozialpartnergipfels vom 8. April 2002

Wien, (OTS) Erster Erfolg des Wiener Sozialpartnergipfels vom 8. April: Das AMS Wien erhält vom Bundes-AMS zusätzlich 7 Mio. Euro für Qualifizierungsmaßnahmen, vor allem für junge Arbeitslose unter 25. Zusammen mit den schon bisher vorhandenen Mitteln in Höhe von 15 Mio. Euro und den von der Stadt Wien zugesagten Sondermitteln von 3,3 Mio. Euro stehen jetzt insgesamt mehr als 25 Mio. Euro für aktive Arbeitsmarktpolitik v.a. für Jugendliche, ältere Arbeitslose und Langzeitarbeitslose in Wien zur Verfügung. Insgesamt sieht damit das Budget des AMS Wien 172,5 Mio. Euro für aktive Arbeitsmarktpolitik vor.

Im Detail wurde dieses Ergebnis am Montag im Rahmen eines Mediengespräches von Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Dr. Sepp Rieder, dem Präsidenten der Wirtschaftskammer Wien, KR Walter Nettig, und dem Präsidenten der Arbeiterkammer Wien, Mag. Herbert Tumpel, präsentiert.

Als Ergebnis des Sozialpartnergipfels vom 9. April, an dem Vertreter der Stadt Wien, der Wirtschaftskammer, der Industriellenvereinigung, der Arbeiterkammer, der Gewerkschaft, des Arbeitsmarktservice (AMS) und des Wiener ArbeitnehmerInnenförderungsfonds (WAFF) teilnahmen, wurde vom Landesdirektorium des Wiener AMS vergangenen Freitag, dem 19. April, ein entsprechendes Maßnahmenpaket geschnürt, das am Dienstag, dem 23. April, dem Verwaltungsrat des Bundes-AMS zur Kenntnis gebracht wird.

Mit diesem Sonderprogramm soll rasch und flexibel auf die Sonderposition Wiens auf dem Arbeitsmarkt eingegangen werden, das ja besonders unmittelbar vom Strukturwandel in der Wirtschaft und mit 215.000 täglichen Einpendlern der größte überregionale Arbeitsplatzanbieter Österreichs mit allen Vor- und Nachteilen ist.****

Qualifizierungsprogramm um 25,4 Mio Euro (350 Mio ATS) für Wien

Mit diesem Qualifizierungsprogramm um 25,4 Mio Euro soll den Problemen am Wiener Arbeitsmarkt begegnet werden, wobei folgende Schwerpunkte vorgesehen sind:

o Genereller Ausbau der hochwertigen Qualifikationskurse als Antwort auf den Strukturwandel in Wien und zur Verbesserung der Chancen der betroffenen ArbeitnehmerInnen am Arbeitsmarkt.
o Massive Ausweitung der qualifikationsorientierten Arbeitsmarktmaßnahmen für Jugendliche, um der dramatisch gestiegenen Jugendarbeitslosigkeit entgegenzuwirken.
o Verstärkt hochwertige Ausbildungsmaßnahmen für Frauen.
o Weitere Einstellförderungen für ältere ArbeitnehmerInnen.
o Zugang zu allen Qualifikationsprogrammen für MigrantInnen und vorbereitende Deutschkurse, um die Teilnahmechancen zu erhöhen.

Dazu werden die Mittel des AMS Wien um 7 Mio. Euro (96,3 Mio. ATS) aufgestockt. Die Gemeinde Wien ergänzt diese Mittel um zusätzliche 2,2 Mio. Euro (30 Mio ATS). Weitere 1,1 Mio. Euro werden für innovative Modellprojekte zugunsten arbeitsloser Jugendlicher vorgesehen.

Insgesamt sieht das Budget des AMS Wien inklusive dieser Maßnahmen 172,5 Mio. Euro für aktive Arbeitsmarktpolitik vor.

Zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen:
Zielgruppe TeilnehmerInnen Kosten Euro Kosten ATS

Speziell für Jugendliche
unter 25 J. 1.185 4.808.579,40 66.167.495 Behinderte Jugendliche 10 60.917,90 838.248 Frauen 140 512.995,30 7.058.969 Ältere 300 813.935,70 11.200.000 Langzeitbeschäftigungslose 58 481.807,00 6.629.809 Behinderte 50 145.345,70 2.000.000 alle Zielgruppen 3.987 4.055.989,70 55.811.635 Gesamt 5.730 10.879.570,70 149.706.156 Zusätzliche DLU (Deckung
Lebenshaltungskosten) für diese Maßnahmen 5.209.154,20 71.679.524

Zusätzliche Beschäftigungsmaßnahmen:

o Zielgruppe: Transitarbeitsplätze für Langzeitbeschäftigungslose (davon 550 Plätze für Langzeitbeschäftigungslose unter
25 Jahren); TeilnehmerInnen: 598; Kosten Euro: 6.415.128,00; Kosten ATS: 88.275.097
o Zielgruppe: Arbeitstraining für Jugendliche in SÖB (Sozia-Ökonom. Beschäftigungsprogramme); TeilnehmerInnnen: 40; Kosten Euro:
127.500,00; Kosten ATS: 1.754.438
o Zielgruppe: Eingliederungsbeihilfen für Ältere; TeilnehmerInnen:
250; Kosten Euro: 2.400.000,00; Kosten ATS: 33.024.720
o Gesamt; TeilnehmerInnen: 888; Kosten Euro: 9.008.628,00
Kosten ATS: 123.961.435

Der Arbeitsmarkt in Wien und Österreich

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit hat sich auch im März in ganz Österreich fortgesetzt (+18 Prozent gegenüber dem Vorjahr). In Wien kommt diese Entwicklung besonders stark zum Tragen (+ 33,1 Prozent). Eine ähnlich ungünstige Entwicklung weist die Arbeitsmarktstatistik für Vorarlberg (+31,9,1 Prozent) aus.

Diese Entwicklung hat folgende Hauptursachen:

o Anhaltende Konjunkturschwäche;
o Restriktive Ausgabenpolitik der öffentlichen Hand;
o Sinkende Aufnahmefähigkeit des öffentlichen Dienstes (überdurchschnittliche Konzentration von Bundesdienststellen in Wien)
o Fortschreitender Strukturwandel in Wien und damit Verlust von Arbeitsplätzen im Sachgüterbereich

Dennoch bleibt Wien das Arbeitsplatzzentrum Österreichs:
insgesamt waren in Wien im März 751.920 Menschen unselbständig beschäftigt. Damit befindet sich bei einem Fünftel der Einwohner fast jeder 4. österreichische Arbeitsplatz in der Bundeshauptstadt. Außerdem bietet Wien mehr als 215.000 Einpendlern Arbeitsplätze und entlastet damit maßgeblich auch die Arbeitsmärkte der umliegenden Bezirke und Bundesländer.

Eine weitere Besonderheit Wiens ist darüber hinaus die weitaus höchste Frauenerwerbsquote Österreichs von 71,6 Prozent aller Frauen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren.

Besondere Problemstellung am Wiener Arbeitsmarkt

o Jugendliche

Seit März 2001 ist ein Anstieg der Jugendarbeitslosenzahlen (15-25jährige) in Wien zu beobachten, wobei der bisher stärkste Anstieg (+42,6 Prozent) im März 2002 zu verzeichnen war. Die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit folgt dabei einer gesamtösterreichischen Entwicklung - in Wien allerdings auf hohem Niveau (Bundesdurchschnitt 25,1 Prozent). Eine ähnlich hohe Zuwachsrate weist Vorarlberg auf (+40,1 Prozent).

Ernst ist die Situation bei der gesellschaftspolitisch besonders wichtigen Gruppe der 19-25jährigen. Der Gesamtzuwachs liegt hier bei 48,6 Prozent und beträgt bei den jugendlichen Frauen sogar 57,0 Prozent. Für die 15-19jährigen bleibt weiterhin der Mangel an Lehrstellen, vor allem von Lehrstellen in aussichtsreichen Berufen, das Problem.

o Ältere

Auch in der Gruppe der über 50jährigen steigt die Arbeitslosigkeit in Wien überdurchschnittlich stark (österreichweit:
+16,7; Wien +24,1 Prozent) an. Hier machen sich besonders die einschlägigen Änderungen im ASVG (Anhebung des Pensionsalters), insbesondere bei den über 60-jährigen, bemerkbar.

o Frauen

Von der anhaltenden negativen Arbeitsmarktentwicklung sind im Februar 2002 Frauen erstmals stärker erfasst als Männer (Frauen: plus 31,1 Prozent; Männer: plus 28,1 Prozent). Diese Entwicklung setzte sich in Wien auch im Monat März weiter fort (Frauen: 36,3 Prozent; Männer 31,2 Prozent). Österreichweit liegt die Zuwachsrate bei den Frauen unter dem Niveau der Männer.

Nicht mehr die Bauberufe sind vom Anstieg der Arbeitslosigkeit prozentuell am stärksten betroffen, sondern jene Wirtschaftszweige (Berufsgruppen) in denen "klassische" Frauenberufe zu finden sind:
Büroberufe (13.196 bzw. 46,5 Prozent), Handel (7.690 bzw. plus 44,9 Prozent).

o MigrantInnen

8.767 MigrantInnen waren Ende März arbeitslos vorgemerkt, das sind plus 31,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anstieg in Wien ist damit weniger stark ausgefallen als noch im 4. Quartal 2001, weist aber weiterhin eine ernste Arbeitsmarktlage für diese Zielgruppe aus. (Schluss) nk

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