Wettbewerb für die erste Wiener Passivhaussiedlung

Wien, (OTS) Wien erhält seine erste große Passivhaussiedlung. Die zukünftigen rund 600 BewohnerInnen dieser etwa 250 Wohnungen werden nur ein Drittel der Heizkosten eines Niedrigenergiehauses aufwenden müssen. Das ist nur ein Zehntel des Energieverbrauchs eines 70er Jahre-Hauses. Im Juli dieses Jahres startet für die Passivhaus Siedlung am Kammelweg in Wien-Floridsdorf die Ausschreibung für einen zweistufigen Bauträgerwettbewerb. Im November steht der Sieger fest. Dieses Vorhaben ist eines von insgesamt 23 für diese Legislaturperiode vereinbarten rot-grünen Projekten.

"Die Stadt forciert Energiespar- und Klimaschutzmaßnahmen im Wohnbereich. Erstens werden dadurch die Energiekosten für die Mieter gesenkt, zweitens wird die Umwelt und das Klima zugunsten der künftigen Generationen entlastet", stellten Wohnbaustadtrat Werner Faymann und der Klubobmann der Grünen Mag. Christoph Chorherr dazu Montag fest. "Durch die Klimaschutzmaßnahmen der Stadt im Wohnbau wurden seit 1995 die CO²-Emissionen jährlich um 129.000 Tonnen CO² verringert. Das entspricht dem Verzicht von 65.000 PKWs in der Stadt. Berücksichtigt man auch den Verzicht auf Baustoffe, bei deren Produktion treibhausrelevante Gase freigesetzt werden, so kommen die von der Stadt gesetzten Maßnahmen dem Verzicht auf 350.000 PKWs gleich. Jetzt leistet Wien durch die Realisierung der ersten Passivhaussiedlung Pionierarbeit für eine weitere Senkung des Energieverbrauchs in der Stadt."****

250 Wohneinheiten am Standort Kammelweg

Vorausgegangen ist diesem Wettbewerb eine Machbarkeitsstudie, deren durchwegs positiven Ergebnisse Ende Februar dieses Jahres vorgelegt wurden. Daraufhin wurde der WBSF beauftragt, passende Grundstücke für das Projekt vorzuschlagen. Letztendlich fiel die Entscheidung auf die Adresse Rudolf-Virchow-Straße 10, Kammelweg 10-12. Dieser Standort zeichnet sich neben einer guten Infrastruktur durch besonders große Freiflächen aus.

Die öffentliche Verkehrsanbindung ist durch die Straßenbahnlinie 26 an der Prager Straße mit Haltestelle direkt bei der Rudolf Virchow-Straße sowie durch die Autobuslinien 33B, 232 und 533 gegeben. Auch die Schnellbahn ist mit der S-Bahnstation Jedlersdorf im Nahbereich (Entfernung etwa 500 m).

Weiterer Schritt beim Klimaschutz

Wiens erste Passivhaus Siedlung stellt den nächsten Schritt beim Klimaschutz im Wohnbau dar. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie (Projektgemeinschaft raumkommunikation/Consult S) haben gezeigt: Das großvolumige Passivhaus ist in Wien machbar. Der Heizbedarf eines Passivhauses liegt mit 15kWh pro m2 Nutzfläche und Jahr um 80 Prozent unter dem Wert herkömmlicher Gebäude. Die Heizlast darf maximal 10 W betragen. Dieser Wert ist so gering, dass ein Zimmer in diesem Haus bereits mit der Wärme von zwei Glühbirnen beheizt werden kann. Auch im Vergleich zum sehr energiebewussten Niedrigenergiehaus setzt das Passivhaus neue Maßstäbe. Es kommt sogar ohne konventionelle Heizung aus. Darüber hinaus zeichnet es sich durch folgende Kriterien aus:

o Durch eine spezielle Dämmung, die aus mehreren Schichten mineralischer, biogener und unbrennbarer Baustoffen besteht und eine hochwirksame thermische Speichermasse darstellt.
o Durch Kälte- bzw. Wärmebrückenfreiheit.
o Durch eine Beheizung zu 80 Prozent durch Rückgewinnung der Wärme aus der Abluft ("Kreuzwärmetauscher)". Dabei wird die Wärme der austretenden Luft an die eintretende Frischluft abgegeben.
o Durch Erdkollektoren, die die Erdwärme nutzen und Solaranlagen, die für Warmwasserbereitung und Raumheizung eingesetzt werden.

Im Juli: Start des Bauträgerwettbewerbs

Schon im Juli ist die erste Phase des zweistufigen Bauträgerwettbewerbs geplant. Bis zum September können die potenziellen Bauträger ihre Umsetzungsideen einreichen. Die bei Bauträgerwettbewerben übliche Jury wird in diesem Fall um Experten für Klimaschutz, Ökologie und Freiplanung erweitert. Im November dieses Jahres wird das Siegerprojekt gekürt. Die ersten Bewohner können voraussichtlich im Jahr 2005 in der ersten Wiener Passivhaus Siedlung wohnen.

Neben dem Passivhausstandard werden weitere Qualitäten im Zuge des Bauträgerwettbewerbs berücksichtigt. Neben einem erweiterten Angebot an Grünflächen sollen die Bauträger auch weitgehende Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Planung und Umsetzung (Grundrisse, Gemeinschaftsräume etc. ) für die BewohnerInnen anbieten. Ein weiteres Kriterium ist ein Konzept zum Transport von Aushub und Baumaterial per Bahn vom nahegelegenen Bahnanschluss.

Energieverbrauch deutlich gefallen

Durch Vorgaben der Stadt sind die Energie-Einsparungen im Wohnbereich enorm. Das wird durch einen Vergleich der durchschnittlichen Heizkosten für unterschiedliche Bauperioden deutlich: (Berechnet für eine 80 m² große Wohnung)

o 70er Jahre-Standard: (120 bis 200 kWh pro Jahr und m²) Heizkosten pro Jahr: rund 550 € (ÖS 7.568,16)
o 90er Jahre-Standard (80 kWh pro Jahr und m²)
Heizkosten pro Jahr: rund 360 € (ÖS 4.953,71)
o Niedrigenergiehaus (35 bis 50 kWh pro Jahr und m²)
Heizkosten pro Jahr: rund 210 € (ÖS 2.889,66)
o Passivhaus: (15 kWh pro Jahr und m²)
Heizkosten pro Jahr: rund 60 € (ÖS 825,62)

Enquete mit internationalen Experten zur Passivhaus Siedlung

Am 6. Mai 2002 wird im Rahmen einer international besetzten Enquete die Idee der Passivhaussiedlung für alle Interessierten vorgestellt. Im Mittelpunkt steht ein Gedankenaustausch über bisherige Erfahrungen und weitere Pläne in diesem Bereich. Diese Enquete findet in den Räumlichkeiten des Wohnservice Wien (Ecke Obere Donaustraße/Ecke Taborstraße) statt. (Schluss) gmp

Rückfragen & Kontakt:

www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Gerd Millmann-Pichler
Tel.: 4000/81 869
e-mail: mil@gws.magwien.gv.at

PID-Rathauskorrespondenz:

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK/NRK