ÖGB-Csörgits: Sonntag muss frei bleiben

Kampagne für den freien Sonntag gestartet

Wien (ÖGB). Gegen eine Ausweitung der Sonntagsarbeit sprach sich ÖGB-Vizepräsidentin Renate Csörgits heute zum Auftakt der Kampagne für den freien Sonntag aus. Die Kampagne wurde von der "Allianz für den freien Sonntag" gestartet, der inzwischen 46 Organisationen angehören.++++

Natürlich arbeiten bereits heute viele auch am Sonntag, etwa in den Gesundheitsbereichen, der sozialen Betreuung, einigen Produktionsstätten. Die ÖGB-Vizepräsidentin: "Das macht es notwendig Rahmenbedingungen für die dort beschäftigten Menschen zu schaffen."

Erst vor wenigen Wochen haben die Chefs großer Handelsketten "den Sonntag als vollwertigen Verkaufstag" gefordert. Csörgits: "Sie können es noch immer nicht lassen, obwohl seriöse Untersuchungen die weitere Ausdehnung der Öffnungszeiten als unwirtschaftlich bezeichnen."

"Damit auch ihre Kinder vom Sonntag was haben. Einkaufen bei ...." "Die Werbeslogans für den Sonntag als Verkaufstag sind offensichtlich bereits in der Schublade. Verschwiegen werden auch die Erfahrungen, die der Großteil der Geschäfte mit der Öffnung am Samstag Nachmittag gemacht haben. Die erwartete Umsatzsteigerung ist nicht eingetreten," stellte die ÖGB-Vizepräsidentin fest.

Nicht verwunderlich, dass die Vertreter der Sonntagsöffnung viel zu verschweigen haben.
O In jener Möbelkette, deren Chef am lautesten für die Sonntagsöffnung eintritt, werden, so eine Warnung der oberösterreichischen Arbeiterkammer, "unseriöse und dem geltenden Kollektivvertrag widersprechende Arbeteitszeitregelungen" angeordnet.

O Verschwiegen wird, dass es sich dabei in erster Linie um die Interessen von einigen großen Handelsketten handelt:
Kleine Nahversorger, Greißler, die auch kommunikatives und oft soziales Zentrum insbesondere für ältere Menschen sind, können und wollen nicht mehr mithalten und sperren zu.

O Der Umsatz wird nicht gesteigert, sondern verschiebt sich. Menschen haben nicht mehr Geld zum Ausgeben - nicht zuletzt dank der Sparmaßnahmen der Bundesregierung. Anstelle Montags kaufen sie eben Sonntags ihre neue Essgarnitur. Die Abwanderung in das benachbarte Ausland hängt vielfach damit zusammen, dass das Warenangebot dort vielleicht vielfältiger oder anders, oder der Preis geringer ist.

O Rund 40 Prozent der beinahe 500.000 im Handel beschäftigten sind Teilzeitbeschäftigte. Der Anteil soll, so wird geschätzt, in den nächsten Jahren auf bis zu 60 Prozent steigen. Viele Vollzeitarbeitsplätze werden also in Teilzeitabeitsplätze geteilt. Und die "neuen Handelsbeschäftigten", so eine Studie des sicher unverfänglichen Sparkassenverbandes, kommen nicht aus dem Bereich der arbeitlosen Handelsangestellten.

O Und Beschäftigte im Handel sind vorwiegend Frauen; viele sind Alleinerzieherinnen, sie haben heute schon Probleme, die Kinderbetreuung zu organisieren. Aber auch für Familien mit beiden Elternteilen würde diese Veränderung viele Probleme mit sich bringen. Die gemeinsame Freizeit würde noch geringer werden: Kultur, Sport, aber auch die Freiwillige Feuerwehr kommen zu kurz.

Csörgits: "Es ist sicher gesünder mit den Kindern, dem Partner, oder Freunden an einem Sonntag beispielsweise in den Wald spazieren zu gehen, als sich in der schlechten Luft von Shopping-Center zu drängen."(ff)

ÖGB, 22. April 2002
Nr. 356

Bei der "Abfertigung Neu" sollen Zeiten für Kinderbetreuung auch zukünftig nicht angerechnet werden. Deswegen haben die ÖGB-Frauen zur Protestaktion aufgerufen. Unter www.oegb.at/frauen können Sie unsere Aktion unterstützen. Machen Sie mit!

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