"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Weitblick erbeten" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 22. 4. 2002

Innsbruck (OTS) - Schafft die Regierung einen weiteren großen Sprung zu den Fakten - weit jenseits ätzender Rhetorik und dem Festkrallen an Nebenschauplätzen? ÖVP und FPÖ sehen das Nullbudget weiter als ihre größte Leistung zur Entlastung kommender Generationen an. In wesentlichen anderen Bereichen würde man sich aber mindestens ebenso viel Weitsicht und Entschlossenheit wünschen. Bei den Pensionen wurde der jüngste Vorstoß von FPÖ-Finanzminister Grasser schon in der eigenen Partei abgeblockt. Die ÖVP konnte es dabei bewenden lassen, sich kurz irritiert zu zeigen. Eigentlich wäre es aber nur redlich, im Jahr vor den Wahlen klar aufzuzeigen, was mittel- und langfristig nottut.

Ein Beispiel für Grundsätzliches: Politiker tummeln sich neuerdings gerne unter der wachsenden Klientel der rüstigen Älteren. Menschen, die auf neue Form als Wählerinnen und Wähler wichtig werden könnten. Man preist deren Erfahrungen und zugleich ein Sozialsystem, das Sorgen im Alter in Grenzen hält. Tatsache ist aber auch eine Entwicklung, um die die Politik noch einen weiten Bogen macht. Die Zahl der Alten und Pflegebedürftigen steigt und wird sich in den nächsten Jahrzehnten noch beträchtlich erhöhen. Noch reichen die bestehenden Mittel und Möglichkeiten annähernd aus. Doch es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich auszumalen, wann das nicht mehr sein wird.

Pflegeversicherung? Zielführende andere Alternativen? Mutige Politiker vom Bund abwärts und die besten Fachleute wären gefordert. Das Bewusstmachen, die umfassende Debatte im Zeichen der Solidarität, hätte schon längst beginnen müssen. Viele betroffene Angehörige werden mitunter von einem Tag auf den anderen in völliges Neuland gestoßen. Es hilft vor diesem Hintergrund nicht weiter, den Verlust der Werte von früher zu beklagen. Und es waren im gelobten "Seinerzeit" der Großfamilie, die sich um den Greis scharte, mitunter harte Begleitumstände - für alle Beteiligten.

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