Utl.: "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Um 9,9 Prozent weniger Fortschritt

Vielsagend ist das Ergebnis der Volkszählung zur Verwendung des Slowenischen als Umgangssprache in Kärnten schon. Nur sagt es nicht das aus, was sich gewisse Kreise intoleranter Hinterweltler wünschen:
Dass sich die slowenische Sprache in Kärnten auf dem Rückzug befindet und daher die Minderheit nicht mehr entsprechend gefördert werden soll.

In einem Klima, in dem sonnenklare Verfassungsbestimmungen ernsthaft in Frage gestellt werden, ist es nicht leicht, sich zu deklarieren. Minderheitenschutz muss durch die Verfassung garantiert sein. Wer wird schon Gemeindepolitiker, die Wahlen gewinnen wollen, dazu zwingen, sich sichere Mehrheiten entgehen zu lassen? Da werden wohl auch die schwindligen "finanziellen Anreize", die LH Haider in den Raum stellt, wenig ändern.

Für junge Menschen, die der slowenischen Minderheit angehören, fehlt es an anderswo selbstverständlicher, politisch unbelasteter schulischer Förderung. Wie soll sich in einem minderheitenfeindlichen Klima, das Mehrheitsvertreter herstellen, irgendetwas Positives entwickeln? Wie soll denn eine Stimmung entstehen, in der auch Vertreter der Mehrheit sich klar zu einer multikulturellen Gesellschaft bekennen? Für jeden Menschen, der geistig profitieren will, ob er der Minderheit oder der Mehrheit angehört, ist Slowenisch vor allem eines: der Zugang zu einer Sprachgruppe, die künftig für die Wirtschaftskontakte dieses Landes außerordentlich wichtig sein wird. 9,9 Prozent weniger Bekenntnis zu Slowenisch als Umgangssprache bedeutet für uns alle um 9,9 Prozent weniger an Fortschritt.

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