Brandsteidl: Begabungsoffensive in Wien

Lehrer sollen Talente-Scouts werden

Wien, (OTS) "Ich verstehe den heutigen Tag als Kick-Off für eine umfassende Begabungsoffensive in Wien. Mein Ziel ist es, dass sich die Schule noch stärker ihres eigentlichen Auftrags besinnt - und dieser lautet, alle Kinder optimal zu fördern. Das sind wir den Schülern, aber auch den Eltern, die sich das Beste für ihre Kinder wünschen, schuldig. Einer der Wege dorthin: Mehr noch als bisher sollen sich Lehrer auch als Talente-Scouts verstehen und junge Potenziale fördern", stellte Wiens Amtsführende Stadtschulratspräsidentin Dr. Susanne Brandsteidl anlässlich der heutigen Pressekonferenz "Begabungsoffensive in Wien" fest.

Generell gelte, dass jede Begabung, die nicht erkannt bzw. deren Förderung vernachlässigt werde, in letzter Konsequenz auch ein Stück Verlust für die Gesellschaft und für das kreative Potenzial im Land bedeute. Daher:" Begabungsförderung ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer modernen Bildungs- und Schulpolitik."

Brandsteidl weiter: "Im Unterschied zur Hochbegabtenförderung gehen wir von einem anderen Prinzip aus. Wir glauben, dass jedes Kind über Begabungen verfügt, die es wert sind, gefördert zu werden." Hierbei sei es unerheblich, ob es sich um rein intellektuelle oder um musikalische, sportliche, soziale oder sonstige Begabungen handle.

"Um diese Offensive zu ermöglichen habe ich in den vergangenen Monaten - sowohl von Mitarbeitern meines Hauses als auch unter Miteinbeziehung externer Fachleute - ein umfassendes Konzept zur Begabungsförderung erarbeiten lassen, das uns nun vorliegt. Dieses umzusetzen, ist mir eines der wichtigsten Anliegen in den kommenden Wochen und Monaten."

Was ist Begabungsförderung?

Zur Erklärung: Begabungsförderung besteht aus 3 Säulen.

1. Raising meint das Überspringen von Klassen bzw. die Teilnahme

am Unterricht höherer Schulstufen.
2. Enrichment heißt Begabungsförderung durch eine vertiefte

Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Schulstoff. Enrichment
ist das gängigste und wichtigste Element der Begabungsförderung.
3. Segregation bedeutet, dass Kinder mit nachgewiesener

(Hoch)Begabung ihre Schullaufbahn in gesonderten Klassen bzw. Schulen absolvieren.

Alle drei klassischen Bereiche der Begabungsförderung sind im österreichischen Schulwesen, speziell in Wien, bereits heute zu finden.

o So ist etwa (Stichwort Raising) die Möglichkeit des Überspringens einer Schulstufe gesetzlich geregelt und findet -nach strenger Überprüfung nicht nur der kognitiv-intellektuellen Voraussetzungen, sondern auch der sozialen Entwicklung des Schülers - bereits heute regelmäßig statt. In der Praxis ist jedoch von einem restriktiven Gebrauch dieses Mittels der Begabungsförderung auszugehen bzw. gilt in jedem Fall, dass Raising nicht mit der ersten Schulstufe statt finden soll, um allen Kindern einen gemeinsamen, auch sozial wichtigen Einstieg in die Schullaufbahn zu ermöglichen.
o Die meisten Begabungsförderungsakzente im Schwulwesen sind und wurden bislang im Bereich des Enrichments gesetzt. Angefangen
von Konzepten "offenen Lernen", "Reformpädagogik", "Freinetpädagogik" bis hin zu konkreten Modellen wie dem Dynamischen Förderkonzept an Wiener Volksschulen werden hier bereits heute zahlreiche Anstrengungen der Begabungsförderung unternommen. Ähnliches gilt für den gesamten Bereich der Förderung von Sprach- bzw. Fremdsprachenkompetenz, so genannten Olympiaden in naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächern, Redewettbewerben, Sportwettkämpfen etc. - auch zahlreiche Kooperationen von Schulen mit außerschulischen Bildungsinstitutionen weisen in diese Richtung.
o Auch Begabungsförderung durch Segregation findet ihren Niederschlag in bereits zwei speziell für Begabte konzipierten Wiener Schulen, der Sir-Karl-Popper-Schule (AHS) und der Schumpeter-HAK.

Als Neuerungen präsentiert Brandsteidl neben einer Vielzahl von konkreten Maßnahmen und Initiativen im innerschulischen Bereich auch die intensivierte Betreuung und begabungsdiagnostische Fortbildung von Lehrern durch die Pädagogischen Institute. Brandsteidl: "Nur eine Begabung, die erkannt wird, kann auch gezielt gefördert werden. Mein Ziel ist es, dass unsere Lehrer durch Fortbildungen dazu gebracht werden, Begabungen noch früher zu erkennen, um dann geeignete Fördermaßnahmen zu setzen. Mir schwebt eine Schule vor, in der sich die Lehrer unter anderem eben auch als ‚Talente-Scouts" verstehen."

Konkrete Maßnahmen

Als Beispiele für weitere konkrete Maßnahmen im Bereich der Begabungsförderung nennt Brandsteidl unter anderem:

o den Ausbau der Kooperation von Schulen mit Universitäten (inkl. Anrechenbarkeit)
o die Förderung der Fremdsprachenkompetenz durch den Ausbau bi- und trilingualer Schulangebote (inkl. "bilingualer Matura")
sowie durch die Forcierung von Englisch als Unterrichtssprache (Beispiel "Global Education Primary School")
o weitere Zertifizierungsangebote: z.B. Sprachenportfolios zur Bestätigung des Beherrschens von Fremdsprachen oder Qualitätsmanager
o jahrgangsübergreifende Spezialkurse bzw. Auflösung des klassischen Klassenverbandes durch so genannte "Atelier
Stunden"
o engere Kooperationen mit der Wirtschaft, um (etwa durch Übungsfirmen etc.) eine Stärkung ökonomischer Begabungen quer alle Schularten zu ermöglichen

Brandsteidl: "Um all diese und noch viele weitere in unserem Begabungsförderungskonzept enthaltenen Maßnahmen umsetzen zu können, bedarf es einer entsprechenden Anlaufstelle. Daher ist es für mich beschlossenen Sache, dass es in Wien ab Herbst dieses Jahres eine Kompetenzzentrum für Begabungsförderung geben wird. Die Verhandlungen bezüglich der hierfür nötigen Ressourcen werde ich in den nächsten Wochen führen." Ziel dieses Kompetenzzentrums solle die Koordination bestehender Maßnahmen, die Implementierung neuer Mittel der Begabungsförderung sowie eine Servicefunktion gegenüber Lehrern, Schülern und Eltern sein.
(Schluss) ssr

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