ÖGB/AK-Enquete zur Teilzeitarbeit in Europa (1)

Csörgits: Teilzeit darf nicht zur Dauerarbeitsform für Frauen werden

Wien (ÖGB). Unter dem Titel "Typisch Atypisches im europäischen Vergleich" findet heute eine Enquete von ÖGB und AK zum Thema Teilzeitarbeit statt. "Frauen sind besonders häufig 'atypisch' beschäftigt. Vor allem Teilzeitarbeit ist in vielen Ländern bereits zu einer 'typischen' Beschäftigung für Frauen geworden. Damit Teilzeit die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern nicht noch weiter verstärkt, gibt es jede Menge Handlungsbedarf", eröffnete ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits die Veranstaltung.++++

In Österreich sei bislang die Quantität und nicht die Qualität der Teilzeitarbeitsplätze in Vordergrund gestanden, führte Csörgits weiter aus. Ende 2001 gab es laut Statistik Austria bereits 630.000 Teilzeitbeschäftigte, über 85 Prozent davon waren Frauen. Angeboten wird Teilzeit in der Privatwirtschaft fast nur für niedrig qualifizierte Tätigkeiten, die Entlohnung ist dementsprechend gering. Besonders stark auf Hilfstätigkeiten konzentriert sind die über 213.000 geringfügig Beschäftigten. 37 Prozent von ihnen sind, selbst bei Anrechnung anderer Haushaltseinkommen, armutsgefährdet.

Die niedrigen Einkommen der Teilzeitarbeitenden hätten nur unzureichende Sozialleistungen zur Folge. Geringfügig Beschäftigte seien zudem nicht arbeitslosenversichert und wüssten oftmals nicht, dass sie sich gegen einen Fixbetrag freiwillig für den Einbezug in die Kranken- und Pensionsversicherung entscheiden könnten. "Etwa ein Viertel der geringfügig Beschäftigten, die im Auftrag des Wirtschafts- und Arbeitsministeriums befragt wurden, wusste von der Möglichkeit des Opting-in gar nichts", berichtete die ÖGB-Frauenvorsitzende.

Teilzeit sei zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie für kurze Zeit zwar geeignet, bleibe sie reine Frauensache, trage sie aber nichts zur Lösung der dahinterliegenden gesellschaftlichen Probleme bei. "Im Gegenteil: Hausarbeit und die Betreuung der Kinder gilt dann weiterhin als Frauensache und die traditionelle Arbeitsteilung wird weiter einzementiert", kritisierte Csörgits.

Zur Verbesserung der Situation der Frauen seien sowohl Änderungen bei den Teilzeitbestimmungen als auch eine umfassende Politik der Chancengleichheit nötig. Konkret forderte Csörgits ein Recht auf Teilzeit bis zum Schuleintritt des Kindes mit Rückkehroption auf Vollzeit auch in der Privatwirtschaft, die Schaffung von flächendeckenden Kinderbetreuungseinrichtungen, Anreize für Väter, ihren Teil der Betreuungspflichten zu übernehmen und den Einbezug der geringfügig Beschäftigten in den vollen Schutz der Sozialversicherung.(mfr)

ÖGB, 16. April 2002
Nr. 334

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