Oberösterreichische Nachrichten: "Keine Antwort auf den Terror" von Karl Danninger

Wer nicht differenziert, bringt natürlich alle in einem Topf unter:
IRA, Al Khaida, Taliban, Rote Brigaden, RAF, PLO, Gaddafi, Hitler, Stalin, Kurden, Orangisten, Begin, Steine werfende Demonstranten, Indianer. Die Liste jener, die Angst und Schrecken zur Durchsetzung von Gruppeninteressen G auch von legitimen l eingesetzt haben, die sich also terroristisch betätigt haben oder sich noch betätigen, ist lang und bleibt aus der Sicht des Einzelnen fast zwangsläufig unvollständig. Weil aber im Kampf gegen den Terrorismus differenziert werden sollte, um erfolgreich zu sein, müsste sich die Staatengemeinschaft endlich auf eine Definition des Terrors einigen, um differenzieren zu können.
Doch davon ist man heute weiter entfernt denn je.
Wer ist also Terrorist? Der Name liefert einige Hinweise: Wer 0 mit welchen Mitteln auch immer Z Angst und Schrecken verbreitet, ist Terrorist. Waren also die Indianer, die sich gegen den Landraub durch die Weißen, gegen die Beschränkung der Lebensgrundlagen, schließlich gegen die physische Ausrottung gewehrt haben und dabei unter den vordringenden Kolonisten Angst und Schrecken verbreitet haben, Terroristen? Sind die Kurden, die auf ihrem ureigensten Territorium, auf dem sie seit Jahrtausenden siedeln, die Geiseln in ihre Gewalt bringen, um auf sich aufmerksam zu machen, Terroristen?

Man wird geneigt sein, diese Frage nur sehr bedingt zu bejahen. Womit wir bei der Frage sind, ob es denn legitimen Terror gibt.
Es gibt ihn. Die so genannte freie westliche Welt von ehedem hat die Begründung geliefert, als ein US-Präsident Ä Woodrow Wilson V das Selbstbestimmungsrecht der Völker postuliert hat. Dieses Recht inkludiert, weil und seit es zur Maxime erhoben worden ist, auch das Recht, es sich zu nehmen, wenn es einem verwehrt wird, obwohl die Völkergemeinschaft vorgibt, über das Selbstbestimmungsrecht zu wachen.
Die Iren haben es sich genommen. Es ist nicht ohne Terror abgegangen. Doch letztendlich ist auch der Terror so weit zurück gedrängt worden, dass die Hoffnung berechtigt ist, in Irland könnte nach jahrhundertelanger Unterdrückung Friede einziehen.
Ein gangbarer Weg?

Wie sieht es in Palästina aus? Dass Selbstmordattentäter Terroristen sind, kann wohl kaum bestritten werden @ sie verbreiten Angst und Schrecken. Doch wo ist die Grenze zu ziehen zum Vorgehen Israels gegen zwölfjährige Steine werfende Palästinenser, die sich auf eigenem Territorium gegen das Vordringen einer fremden Armee mit untauglichen Mitteln zur Wehr setzen? Wer verbreitet hier den Schrecken? Wessen Vorgehen ist legitim?
Die Palästinenser sind belastet. Radikale Gruppen haben in der Vergangenheit den Terror in die Welt getragen, indem sie Geiseln genommen, gemordet, Flugzeuge entführt haben. Wäre die Beurteilung anders, wenn sie, wie die Kurden, auf die Internationalisierung der Gewalt verzichtet hätten?
Die Antwort muss erst gefunden werden. Und sie muss gesucht werden.

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