Ärzte besorgt über Biopatentdiskussion

Wien (OTS) - Mit großer Besorgnis wird in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) die aktuelle Diskussion über die Umsetzung der europäischen Biopatentrichtlinie in Österreich verfolgt. Aus Sicht des Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Otto Pjeta, sollte generell keine Gewährung von Patenten auf das menschliche Genom und Teile des menschlichen Körpers erfolgen, da Patente nur für Erfindungen nicht aber auf Entdeckungen verliehen werden könnten. Menschliche Genome, Teile davon, Organe oder Zellen des menschlichen Körpers seien aus Sicht der Ärzte als unveräußerbarer Bestandteil des Menschen grundsätzlich nicht patentierbar, sondern lediglich Verfahren und Verfahrensschritte zur Herstellung gentechnischer Medikamente, erklärt Pjeta am Freitag in einer Aussendung.

"Grundsätzlich ist die genetische Ausstattung das wichtigste Erbe der Menschheit und damit Allgemeingut. Sie ist essenzieller Bestandteil der ureigensten Persönlichkeit eines Menschen. Mit dem Problem der Patentierbarkeit werden so fundamentale Fragen der Menschenwürde aufgeworfen, dass das Thema unbedingt auf breitester Basis von Öffentlichkeit, Politik und der wissenschaftlichen Gemeinde diskutiert werden sollte, bevor hier Entscheidungen von großer Tragweite getroffen würden", fordert Pjeta.

Die Ärzte befürchten, dass die Patentierung von Teilen des menschlichen Körpers letztlich die Behandlung von Krankheiten erschwert. Denn für die Verwendung von Patenten müssen bekanntlich Lizenzen erworben und Geld gezahlt werden. "Es ist durchaus vorstellbar, dass damit der medizinische Fortschritt an ärmeren Ländern oder sozial schwächeren Menschen vorbei geht", warnt Pjeta. "Denn den Zugang zu patentgebundenen, unter Umständen lebensnotwendigen Neuentwicklungen wird nur jener erhalten, der über die notwendigen Mittel verfügt. Eine neue Qualität ist dabei, dass dies nicht für im Labor gezeugte chemische Verbindungen gilt, sondern diesmal der menschliche Körper ausgebeutet und zur Handelsware wird."

Pjeta befürchtet, dass mit der Patentierbarkeit von Teilen des menschlichen Körpers dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet werde. "Wir öffnen hier die Büchse der Pandora", warnt der Ärztechef. "Denn die Möglichkeit der Patentierbarkeit wird für viele Forscher Anlass sein, den menschlichen Körper auf seine kommerzielle Verwertbarkeit hin zu überdenken. Das hat erhebliche Konsequenzen für unser bisheriges humanistisches Weltbild."

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