Mediziner warnt: Gen-Patente behindern Forschung und verteuern Medikamente

Greenpeace fordert FPÖ zum Kampf gegen die Biopatentrichtlinie auf

Wien (OTS) - "Gen-Patente behindern die medizinische Forschung und werden neue Behandlungsverfahren unnötig teuer machen. Durch die Biopatentrichtlinie werden Teile des Menschen und seine Gene patentierbar". Soweit die Kernaussage von Dr. Otmar Kloiber, Dezernent der deutschen Bundesärztekammer, der sich heute auf Einladung von Greenpeace in Wien befindet. Der Mediziner nimmt damit Bezug auf die umstrittene EU-Biopatentrichtlinie, die auch in Österreich übernommen werden soll. Greenpeace lehnt die Patentierung von Leben oder von Teilen davon grundsätzlich ab: "Leben kann nur entdeckt und nicht erfunden werden", so Thomas Fertl, Gentechnik-Experte von Greenpeace, "Greenpeace fordert daher von der FPÖ, die Umsetzung der Richtlinie auf Eis zu legen und sich nach dem Vorbild Luxemburgs auf EU-Ebene für eine Neuverhandlung einzusetzen".

Otmar Kloiber begleitet sowohl in Deutschland als auch in internationalen ärztlichen Gremien (Weltärztebund, Europäisches Forum der Ärzteverbände) für die deutsche Bundesärztekammer die Diskussion zu Biopatenten und ist sachverständiges Mitglied der Enquête-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" des Deutschen Bundestags. "Die Grundsatzfrage, ob das menschliche Genom sowie Organe und Zellen patentierbar sein sollen, beantwortet die Ärzteschaft mit Nein", so Kloiber. "Die Gefahr der Kommerzialisierung ist gegenwärtig größer denn je", warnt der Mediziner mit Verweis auf bereits erteilte Patente auf das sogenannte Brustkrebsgen, "Es ist zu erwarten, dass Forschungsergebnisse - in Erwartung einer Patenterteilung - nicht schnell und offen kommuniziert werden". Der eigentliche "Sündenfall" liegt dabei in der EU-Patentrichtlinie, die Teile des Menschen und der belebten Natur zum "geistigen Eigentum" vom Patentinhaber erklärt. Otmar Kloiber: "Wir Ärzte haben den Deutschen Bundestag daher aufgefordert, die in der Richtlinie vorgesehene Patentierbarkeit von Bestandteilen des menschlichen Körpers nicht in deutsches Recht überzuführen".

Die "Richtlinie zum Schutz biotechnologischer Erfindungen" (kurz Biopatentrichtlinie) wurde 1998 vom EU-Parlament beschlossen. Auf Grund großen Widerstands haben allerdings erst 5 der 15 EU-Staaten die Richtlinie in nationales Recht umgesetzt. Frankreich hat im Jänner sogar per Gesetz die Patentierung von menschlichen Genen verboten. Die luxemburgische Abgeordnetenkammer hat Ende Februar beschlossen, die Umsetzung auf Eis zu legen und stattdessen die Regierung aufgefordert, sich auf EU-Ebene für eine Neuverhandlung und gegen die Patentierung von Leben einzusetzen.

Nach einer einschlägigen Empfehlung der Österreichischen Bioethikkommission drängt die ÖVP auf die Umsetzung der Richtlinie. Grüne und SPÖ haben sich eindeutig dagegen ausgesprochen. "Es entscheidet also die FPÖ, ob in Österreich die Patentierung von Leben legalisiert wird oder nicht", so Thomas Fertl zur aktuellen Lage. "Die FPÖ hat sich vor den Nationalratswahlen unmissverständlich gegen die Biopatentrichtlinie ausgesprochen. Jetzt muss sie verhindern, dass das Thema auf die Tagesordnung des Parlaments kommt. Mit Mathias Reichhold stellt die FPÖ den zuständigen Minister. Er muss sich auf EU-Ebene für die Neuverhandlung der Richtlinie stark machen", fordert Fertl.

Ausführliche Informationen über die Biopatentrichtlinie und Patente auf Leben finden Sie im Internet unter:
http://www.greenpeace.at/umweltwissen/gentech/patente/index.htm

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