"DichterHören": Wolfgang Gasser liest Robert Musil - am 15. und 16. April im RadioKulturhaus

Wien (OTS) - Robert Musil, ironischer Analytiker und zugleich Beschwörer des alten k. und k. Österreich, gehört - zumindest, was sein fragmentarisches Romankonvolut "Der Mann ohne Eigenschaften" betrifft - zu den berühmtesten Unbekannten der österreichischen Weltliteratur, zu den meist Zitierten und am wenigsten Gelesenen jedenfalls. Anlässlich Musils 60. Todestag wird Wolfgang Gasser, Musil-Kenner und Interpret von Rang, in der siebenten Multimedia-Produktion der Reihe "DichterHören" am 15. und 16. April auch aus Bühnenstücken und Novellen, aus Notizen und den akribisch geführten Tagebüchern, aus Kritiken und psychologischen Analysen die gesamte Dichterpersönlichkeit Robert Musils, samt privatem Hintergrund, erstehen lassen.****

Musil führte seit seinem 18. Lebensjahr, noch vor Beginn seines Maschinenbaustudiums, akribisch Tagebuch und hat darin nicht nur Beobachtungen und Reflexionen, Selbstanalysen und Denkergebnisse, sondern auch die langsame Entwicklung seines Lebens-Romans festgehalten. Der Mensch und Denker Musil, der studierte Psychologe und Erkenntnistheoretiker, der Zeitkritiker und scharfsinniger Essayist soll auch bei "Dichter Hören" im KlangTheater vornehmlich aus diesen seinen "persönlichen Wirklichkeiten" und erst in zweiter Linie aus deren Spiegelung im Sprachkunstwerk hörbar und spürbar werden - aus 31 eng beschriebenen Heften über 44 Lebens- und Arbeitsjahre. Der eigentlich, wie es an anderer Stelle heißt, "andauernd und mit unendlichem Denkaufwand" an sich selbst arbeitete - und als opus magnum ein Fragment hinterließ.

Burgschauspieler Wolfgang Gasser wird Musils Werk interpretieren. Gasser: "‘Der Mann ohne Eigenschaften‘ begleitet mich seit 1952, seit 50 Jahren. Je länger ich mich mit diesem Werk auseinandersetze, umso treffender finde ich, was Musil einst u.a. über sein Werk gesagt hat:
‚Es ist kein leichtes und kein schweres Buch, denn das kommt ganz auf den Leser an. Es ist sehr anmaßend: ich bitte mich zweimal zu lesen, im Teil und im Ganzen.‘
Was mich an Musil besonders begeistert, ist seine ganz eigene Art von Ironie, eine Ironie, die nicht verletzt, die den Reigen von faszinierenden Figuren nicht denunziert. Keine aufregende Handlung treibt diese Figuren an - die Figuren selber sind aufregend und aufgeregt. Sie treffen sich, um zu reden, zu reden, zu reden. Paradoxerweise ist der Kern dieses Redens aber immer eine Aktion, die sogenannte ‚Parallelaktion‘. Doch diese Aktion erhebt sich nie aus dem Zustand des Redens. Bis über all‘ dies Reden die viel größere Aktion, der Krieg, ausbricht. So wie Thomas Bernhards ‚Heldenplatz‘ bis heute nicht an Aktualität eingebüßt hat, so vorausschauend hat Musil die Wunden seines Jahrhunderts offengelegt. Meiner Meinung nach hat der Text absolut sogar noch an Aktualität gewonnen. Egal welches Kapitel man aufschlägt, man hat einen absoluten Lesegenuss.”

"DichterHören: Robert Musil" - Mit Wolfgang Gasser:
Montag, 15. April, und Dienstag, 16. April, jeweils um 20.00 Uhr, KlangTheater.
Eintritt: 10,50 / 12,70 Euro

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