"Kleine Zeitung" Kommentar: "Im Abseits" (von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 09.04.2002

Graz (OTS) - Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen."
Der gläubige Katholik Leo Kirch steht mit 75 Jahren vor einem Scherbenhaufen. Die Geschäfte wurden ihm aus der Hand genommen, das Sagen haben jetzt das Amtsgericht München, der Insolvenzverwalter, Banken und ehemalige Konkurrenten.

Gegeben wurde dem Medientycoon in den letzten Jahren allerdings weniger vom Herrn als vielmehr von den Unionsparteien. Die TV-Lizenzen kamen von Ex-Kanzler Helmut Kohl (CDU), die Milliarden
von der CSU. Zumindest indirekt. Etwa von der (halbstaatlichen) Bayerischen Landesbank oder von der Münchner HypoVereinsbank.

Kein gutes Omen für den CSU-Chef Edmund Stoiber. Der im deutschen Bundestagswahlkampf gerade dabei war, den von Themen wie hohe Arbeitslosigkeit und Holzmann-Pleite gebeutelten Kontrahenten Gerhard Schröder (SPD) mit einem deutlich besseren Wirtschaftsimage zu überholen.

Daraus dürfte vorerst einmal nichts werden. Kirch hat mit der Pleite seinen bayerischen Spezl Edmund Stoiber ungewollt ins Abseits gedrängt und Schröder den Ball aufgelegt. Das Match ums Kanzleramt ist wieder offen. ****

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