IHS-Studie 2: Niedrige Ausgaben für Wiener Kassenärzte

47 Prozent höhere Ärztedichte als in den Bundesländern -Krankenkassenausgaben pro Kopf aber nur um 17 Prozent höher

Wien (OTS) - Wien verfügt laut einer Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS), die heute von IHS-Chef Felderer und Ärztekammerpräsident Dorner präsentiert wurde, über doppelt so viele Fachärzte pro Kopf wie das übrige Österreich und liegt damit deutlich vor Hamburg und Berlin, die über jeweils etwa eineinhalbmal so viele Fachärzte pro Kopf verfügen wie das restliche Deutschland. In Paris ist die Fachärztedichte sogar dreimal, in Lyon zweieinhalbmal so hoch wie im übrigen Frankreich. Die Allgemeinärztedichte der Städte ist dagegen vergleichsweise wenig überproportional.****

Die klare "Besserversorgung" Wiens im Vergleich zu Österreich zieht sich durch alle medizinischen Fächer. Mit Ausnahme der Neurologie und Psychiatrie gibt es in Wien in allen Fächern mindestens eineinhalbmal so viele Kassenfachärzte pro Kopf wie in Österreich.

Ärztechef Dorner resümiert: "Trotz des Überhangs gegenüber Österreich hat Wien eine niedrigere Ärztedichte als Hamburg und Berlin. Dies weist darauf hin, daß Österreichs ländliche Gebiete im Vergleich zu Deutschlands ländlichen Gebieten über deutlich weniger Kassenfachärzte pro Kopf verfügen." So habe das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein zum Beispiel eine beinahe dreimal so hohe Kassenfacharztdichte wie Niederösterreich und Burgenland, erklärt Dorner.

Budgetkonsolidierung durch Kassenärzte

Auch die Ausgaben der Krankenkassen pro Kopf für ärztliche Hilfe sind in den Städten höher als am Land. In Wien sind die Ausgaben pro Kopf um 17 Prozent höher als in Österreich. Wien liegt damit an zweiter Stelle nach Paris mit 26 Prozent. In Hamburg sind die Ausgaben um 11 Prozent, in Berlin um 7 Prozent höher als in Deutschland.

Die Ausgaben pro Kopf für ärztliche Hilfe sind aber weniger überproportional als die Ärztedichte. Wien hat eine um 47 Prozent höhere Ärztedichte, die Krankenkasse gibt aber pro Kopf "nur" um 17 Prozent mehr für ärztliche Hilfe aus als in Österreich.

Dorner: "Die Wiener Kassenärzte haben in den letzten Jahren durch moderate Honorarabschlüsse viel zur Budgetkonsolidierung beigetragen."

Schlechterstellung durch Wettbewerb?

Die Ausgaben der Krankenkassen für Honorare pro Kassenarzt sind in Wien generell niedriger als in den Bundesländern. Ganz besonders trifft dies aber auf die Allgemeinmediziner zu. Auch die Ausgaben der Krankenkassen für einen Behandlungsfall sind in Wien leicht unterdurchschnittlich, wobei die Fallwerte der Fachärzte annähernd im Österreichschnitt liegen, während die Fallwerte der Allgemeinmediziner klar unterdurchschnittlich und niedriger als in den Bundesländern sind.

Ärztechef Dorner interpretiert das folgendermaßen: "Die Wienerinnen und Wiener nutzen den in Wien vorhandenen leichteren Zugang zu den Fachärzten und konsultieren nicht zuerst den Allgemeinmediziner. Daraus resultieren geringere durchschnittliche Patientenzahlen und leichtere Fälle für die Allgemeinmediziner. Beide Faktoren führen zu geringeren Honorarzahlungen pro Arzt."

Die Fachärzte haben in Wien in Summe mehr Zulauf, der sich aber auf relativ viele Fachärzte verteilt. Gemeinsam mit Fallzahlen, die (annähernd) im Österreichschnitt liegen, führt dies auch bei den Fachärzten in Wien zu niedrigeren Honorarzahlungen pro Arzt. Der Unterschied ist allerdings weniger markant als bei den Allgemeinmedizinern.

Für Dorner zeigt sich damit, daß Wien keinesfalls der "Wasserkopf" sei, als der es gerne von den Bundesländern bezeichnet werde. Allerdings: "In den ländlichen Regionen gibt es einen erheblichen Nachholbedarf." Damit sei es kein Wunder, daß die dortigen Krankenkassen "besser" budgetierten. Dorner: "Statt also ständig auf die gute medizinische Versorgung der Wiener Bevölkerung hinzuhauen, wären die in den Ländern politisch Verantwortlichen gut beraten, die jeweilige medizinische Infrastruktur im Sinne einer optimalen Patientenbetreuung zu verbessern." (bb/hpp)

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