Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Heikle Causa: Unsere Klestils

Ausgabe vom 7. Apr. 2002

Klagenfurt (OTS) - Soll man lachen? Lächeln? Erschüttert sein? Die Angelegenheit mit Schadenfreude verfolgen? Resignieren? Was soll man also? Unsere Klestils wissen vorläufig, was zu tun ist: Sie haben Klage gegen Verlag und Autor jenes - noch gar nicht erschienenen -Buches eingebracht, das Einblick ins Privatleben des Bundespräsidenten und dessen zweiter Frau vermittelt. Von Abtreibung ist in dem vor unappetitlichen Anwürfen strotzenden, unter die Gürtellinie zielenden Reißer die Rede. Ernst Hofbauer unseren Klestils gewidmetes Werk: Text zu einer niveaulosen, öligen Staatsoperette.

Keine Frage: Dem Staatsoberhaupt geht es nicht gut. Der Frack wirft Falten, der Lack ist ab. Das First Couple gerät zum wiederholten Male in die mediale Peepshow. So genannte Enthüllungsjournalisten lassen die letzten Hemmungen fallen, geht es darum, sich unappetitlich am Ehepaar Klestil zu reiben. Wozu die Klestils sozusagen Vorschub leisten; sie leiden am Umstand, dass ihnen zu wenig Respekt entgegengebracht wird. Man beachtet sie zwar, geht mit ihnen aber nicht achtsam um.

Liebesaffären in höchsten und erlauchtesten Kreisen sind ja bei Gott nichts Neues. In der Regel verlaufen sie jedoch diskret und von Intimität umhüllt. Klestils haben hingegen - zu lange - fahrlässig gehandelt, ihre Autorität aufs Spiel gesetzt. Das macht sie permanent angreif- und entsprechend verwundbar.

Schadensbegrenzung herbeizuführen bleibt ein schwieriges Unterfangen, weil sonderbare, grelle, mit skurrilen Ansätzen versehene Rahmenhandlungen kein Ende zu nehmen scheinen. Die vom Präsidenten unter unschönem Getöse geschiedene Frau zeigt via Kaffeewerbung, wo´s langgeht, wenn es gilt, den Repräsentanten Österreichs in Verlegenheit zu bringen, ihm ein Respektsproblem umzuhängen. Und somit hat auch die Schwester des Respekts, die Würde, ihre Schwierigkeiten mit dem "Ersatzkaiser".

Fest steht, dass die Clintonisierung der Politik vor Österreich keineswegs Halt macht. Hohe Auflagen und satte Honorare sind die Katalysatoren dieser Entwicklung. Das neue Klestil-Buch betreffend, freuen sich Autor und Verlag über angeblich 500 Vorbestellungen. Keine Freude mit der Causa hat FP-Klubobmann Peter Westenthaler, der von einer "ganz, ganz miesen Kampagne" spricht. Ehrliche Empörung? Wohl kaum. Eher ein tüchtiger Wink an das Staatsoberhaupt, nach der Nationalratswahl 2003 in Sachen Blau-Schwarz mehr Verständnis zu zeigen als unmittelbar nach der berühmten Wende. Dies hätte allerdings zur Voraussetzung, dass sich die zwei Regierungspartner anhaltender Wählergunst erfreuen. Woran mit triftigem Grund stark zu zweifeln ist.

Rückfragen & Kontakt:

Kärntner Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
ktzredaktion@apanet.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI/OTS