Kaske: "Im Gastgewerbe wird alles gemacht, was verboten ist"

Rege Publikumsdiskussion mit Regisseurin Derflinger und HGPD-Chef Kaske

Wien (ÖGB). "Neun von zehn Betrieben mit Saisonarbeit haben keinen Dienstplan. Die Saisonkräfte arbeiten bis zu 80 Stunden in der Woche, Kontrollen des Arbeitsinspektorates gibt es so gut wie nicht", erklärte Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), bei einer Publikumsdiskussion am Freitag. Mehr als 300 Mitglieder wurden von ÖGB und Solidarität zur Vorführung des preisgekrönten Filmes "Vollgas" von Sabine Derflinger und zur anschließenden Diskussion eingeladen. Der Film sei nicht untertrieben, so Kaske, im Gastgewerbe werde alles gemacht, was nach dem Arbeitsrecht verboten sei.++++

"Die Arbeitsbedingungen im Gastgewerbe sind für Frauen noch schwieriger als für Männer", meinte die Regisseurin, die ihrem Film die rasende Abwärtsbewegung einer jungen Alleinerzieherin auf Saisonarbeit thematisiert. Bei ihren Recherchereisen habe sie alle Figuren des Buches in der Wirklichkeit wiedergefunden, so Derflinger. "Diese Frau muss unter großer Belastung funktionieren", erklärte die Regisseurin des mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichneten Filmes. Er zeigt, wie der jungen Frau in einem Arbeitsmilieu, das den totalen Einsatz bis zur Erschöpfung fordert, die Kontrolle über ihr Leben entgleitet.

Stress, der ständige Zwang zur Freundlichkeit und ein hierarchisches Arbeitsklima würden die Saisonarbeit zu einer enormen Belastung machen, so HGPD-Chef Kaske. Die gute Bezahlung stelle sich jedoch häufig als gering heraus, wenn von der Gewerkschaft die Überstunden nachgerechnet würden. Auch die ständige Missachtung des Arbeitsrechtes werde in Österreich kaum kontrolliert, erklärte Kaske. "In ganz Österreich sind 35 Arbeitsinspektoren für rund drei Millionen ArbeitnehmerInnen unterwegs. Das kann beim besten Willen nicht funktionieren." Die Strafen seien außerdem so gering, das sie die Unternehmer aus der Trinkgeldkasse bezahlen würden.

Strafrahmen nicht ausgeschöpft

In einem Betrieb, in dem 17 von 20 Beschäftigten über Monate hinweg nicht angemeldet waren, wurde der Unternehmer nach einer Kontrolle zu einer Geldbuße von rund 15.000 Euro (etwa 200.000 Schilling) verurteilt. "Der Strafrahmen beträgt aber insgesamt 72.672,83 Euro (1 Million Schilling)", so Kaske. Angesichts der Situation der Saisonarbeitskräfte sei der Jubel der Bundesregierung in Obertauern über den gut florierenden Tourismus ungerechtfertigt.

Kaske vermisst auch die Solidarität der Gesellschaft mit den Saisonarbeitskräften, dies spiegle sich etwa in den fehlenden Kinderbetreuungseinrichtungen in den Wintersportorten. "Dasselbe zeigt sich im Handel, bei der Diskussion über die Ladenöffungszeiten. Man sollte nicht vergessen, dass hier viele AlleinerzieherInnen arbeiten, denen die Sonntagsöffnung enorme Schwierigkeiten bereiten würde", so der HGPD-Chef.(tb)

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