5 Jahre nach dem Gentechnik-Volksbegehren

Was bewirken 1,2 Mio. Unterschriften?

Wien (OTS) - Greenpeace - Global 2000 - ARGE Schöpfungsverantwortung - Österreichische Bergbauern- u. Bergbäuerinnen Vereinigung

Fünf Jahre nach dem Gentechnik-Volksbegehren ziehen die Initiatoren heute Bilanz. Im April 1997 haben 1,2 Mio. Unterschriften das parteiunabhängige Volksbegehren zum erfolgreichsten in der Geschichte Österreichs gemacht. "Wir sehen die Entwicklungen seither mit einem lachenden und einem weinenden Auge," erklärt Volksbegehrenssprecher Dr. Peter Weish. "Während Gentech-Lobby und Politik die rechtliche Umsetzung des Volksbegehrens bis heute blockieren, hat der Markt positiv reagiert und Gentech-Produkte geächtet. Wir erwarten von der Bundesregierung - den Wünschen der Bevölkerung entsprechend - sich wieder an die Spitze der Gentechnik kritischen Staaten zu stellen."

"Sowohl die vorige als auch die derzeitige Regierung haben es verabsäumt, effiziente und verbindliche Maßnahmen zum Schutz der österreichischen Landwirtschaft vor den negativen Folgen der Gentechnik zu treffen," kritisiert Daniel Hausknost, Gentechnik-Experte von GLOBAL 2000. "Spätestens Ende des Jahres, wenn der EU-weite Zulassungsstopp für Gen-Pflanzen aufgehoben wird, droht Österreich eine wahre Lawine von Gentechmais, -raps und anderen genmanipulierten Pflanzen", so Hausknost. Dringenden Handlungsbedarf sieht auch Elisabeth Baumhöfer von der Österreichischen Bergbauernvereinigung: "Die überwiegende Mehrheit der Konsumenten und Bauern spricht sich nach wie vor gegen den Einsatz der Gentechnik in Landwirtschafts- und Nahrungsmittelproduktion aus."

Obwohl bis heute kein Verbot von Gentech-Lebensmitteln erreicht werden konnte, zeigen sich die Organisatoren mit dem Verhalten des österreichischen Handels zufrieden: Beinahe alle großen Supermarktketten haben zugesagt, Gentech-Lebensmittel aus den Regalen zu verbannen. Allerdings ist die Kennzeichnung von Gentech- Produkten bis heute lückenhaft. Eine echte Wahlfreiheit der Konsumenten ist nicht möglich.

Als unverständlich bezeichnen die Organisatoren die Haltung der Regierung zur Frage der Patentierung von Leben. "Die FPÖ hat den Sonderausschuss zum Volksbegehren 1998 wegen mangelhafter Ergebnisse aus Protest verlassen. Jetzt will sie in aller Eile der Umsetzung der EU-Patentrichtlinie zustimmen," kritisiert Thomas Fertl, Greenpeace-Gentechnikexperte. Damit sei der Patentierung von Lebewesen Tür und Tor geöffnet, so Fertl. "Durch die Patentierung wird Leben zur Ware. Das widerspricht der Würde und dem Eigenwert aller Lebewesen," mahnt Isolde Schönstein von der ARGE Schöpfungsverantwortung. "Leben ist ein Geschenk, Erbgut aller, es ist keine Erfindung der Wissenschaft, jegliches Drängen nach Besitz ist abzuweisen."

Die Organisatoren fordern die Bundesregierung auf, die Sorgen der 1,2 Millionen Unterzeichner endlich Ernst zu nehmen und Taten zu setzen: Kein Essen aus dem Genlabor, Keine Freisetzung genmanipulierter Organismen, Kein Patent auf Leben! Österreich muss als "Gentechfreie Zone" erhalten bleiben.

Rückfragen & Kontakt:

Axel Krotz
Pressesprecher Greenpeace
Tel.: 0664-2407075

Andreas Baur
Pressesprecher Global 2000
Tel.: 0664-1032423

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