- 03.04.2002, 18:38:04
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Oberösterreichische Nachrichten, Leitartikel: Drogen: Schwarzmalerei oder Verharmlosung? Von Meinhard Buzas=
Drogen sind ein Milliardengeschäft. Seitdem sich der neue Markt
synthetischer Rauschmittel weit aufgetan und bis in die entlegensten
Provinzen vorgearbeitet hat, rollt dieses Geschäft auch in den
österreichischen Bundesländern mit der Wucht einer Dampfwalze. Wenn
jetzt der Salzburger Kriminologe Walter Hauptmann anhand schwer
überprüfbarer Zahlen den Warnruf ausstößt, dass die Situation in
Österreich außer Kontrolle sei, ist das sicherlich überspitzt und
überzeichnet, aber nicht nur reine Schwarzmalerei.
Noch nie war es für junge Menschen so leicht wie heute, sich Rausch-
und Aufputschmittel in Form von Labordrogen zu besorgen. Wenn immer
wieder große Mengen von Ecstasy, Speed und anderen Drogen, wie immer
sie auch heißen mögen, aufgegriffen und mittelgroße Dealer verhaftet
werden, dann ist das wirklich nur die Spitze des Eisbergs. Auf
jeden Treffer kommt eine ungleich höhere Zahl von unentdeckten
Transaktionen auf einem Markt, der sich nicht einmal in Ansätzen
kontrollieren lässt. Darüber sind sich Ärzte, Gesundheitspolitiker
und Mitarbeiter von Institutionen zur Suchtgiftprävention weitgehend
einig.
Österreich ist in den vergangenen Jahrzehnten einen Mittelweg
zwischen Beschwichtigung und Verteufelung gegangen, zwischen Strafen
und Helfen. Auch einen bequemen Weg der Verdrängung und des
Unterschätzens.
Das gefährlichste Rauschgift, Heroin, hat seine Schreckenswirkung
deswegen weitgehend verloren, weil der Kreis der User kaum noch
wächst und vor allem ältere Abhängige betroffen sind. Die Kokain-
Szene spielt hauptsächlich im privaten Schickeria-Kreis, da ist
schwer heranzukommen. Wer Substanzen mit geringerer suchtbildender,
aber gefährlich aufputschender Wirkung nimmt, geht kaum ein Risiko
ein. Die Gefahr, erwischt zu werden, ist minimal. Zum Großteil fehlt
jugendlichen Konsumenten auch das Bewusstsein dafür, Unrechtes zu
tun. In diesem Gefühl werden sie nicht zuletzt durch jene
zeitgeistigen Strömungen bestärkt, die ihnen suggerieren, dass sFuno
und hKickc die einzig wesentlichen Werte sind und alles andere
nichts zählt.
An jene, die mit den Substanzen handeln und sich goldene Nasen
verdienen, ist schwer heranzukommen. Außerdem wachsen für jeden
gefassten Dealer zwei neue nach, die schon darauf gewartet haben,
das einträgliche Geschäft zu übernehmen. Harte Strafen für Händler
werden von allen befürwortet, die sich mit dem Problem befassen,
aber zuerst muss man auch jemanden haben, den man bestrafen kann.
Ermittlungen sind äußerst zeit- und personalaufwendig, die Exekutive
hat es da in Zeiten des Sparzwangs schwerer denn je.
Drogenkonsum ist in öffentlicher und privater Meinung von einem
Schreckgespenst der siebziger und achtziger Jahre zu einer Art
Kavaliersdelikt herabgestuft worden, so wie man halt auch
achselzuckend toleriert, wenn Teenager sich in die Bewusstlosigkeit
saufen. Insofern ist die gesundheits- und gesellschaftspolitische
Brisanz nicht zu unterschätzen.
Rückfragehinweis: Oberösterreichische Nachrichten(@20
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