• 03.04.2002, 13:16:45
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Arbeitslosigkeit: ÖGB-Warnungen bestätigen sich Monat für Monat

ÖGB-Präsident Verzetnitsch fordert vom Arbeitsminister endlich Taten statt Worthülsen

Wien (ÖGB). "Die heute veröffentlichten Arbeitsmarktdaten für März
2002 bestätigen neuerlich das Versagen der Bundesregierung in puncto
einer aktiven Arbeitsmarktpolitik", erklärte ÖGB-Präsident Fritz
Verzetnitsch. Monat für Monat bestätigen die Arbeitsmarktdaten die
Warnungen des ÖGB. Aus den heute vorgelegten Arbeitsmarktdaten sind
249.092 Menschen arbeitslos, was gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme
von 38.055 oder 18 Prozent bedeutet. Grund für eine Entwarnung
besteht angesichts dieser Arbeitsmarktdaten nicht. Vielmehr ist ein
sofortiges Gegensteuern und eine aktive Arbeitsmarktpolitik
notwendig. Verzetnitsch: "Es ist höchste Zeit, dass Minister
Bartenstein auch als 'Arbeits'-Minister seine Verantwortung wahrnimmt
und konkrete Taten gegen die steigende Arbeitslosigkeit setzt."++++

Angesichts der katastrophalen Arbeitsmarktdaten für März forderte der
ÖGB die Bundesregierung dringend auf, ein wirkungsvolles
Sofortprogramm gegen die Arbeitslosigkeit umzusetzen. Verzetnitsch
verlangt daher von der Bundesregierung die Warnungen des ÖGB endlich
ernst zu nehmen und mehr Augenmerk auf eine aktive
Arbeitsmarktpolitik, auf das Vorziehen von Investitionen in die
öffentliche Infrastruktur, konkrete Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen
und in Forschung und Entwicklung auf klein- und mittelbetrieblicher
Struktur zu legen. Parallel dazu sind auch alle Anstrengungen für
eine Qualifizierung all jener zu unternehmen, die länger als drei
Monate arbeitslos sind.

Wie die Arbeitsmarktdaten beweisen, reichen die vorhandenen
AMS-Mittel nicht aus, um wirksam die Arbeitslosigkeit bekämpfen zu
können. Dies sei die Folge davon, dass zur Sanierung des Budgets und
zum Erreichen des Nulldefizites dem AMS im Vorjahr und im heurigen
Jahr rund zwei Mrd. Euro (27,52 Mrd. S) zur Budgetsanierung entzogen
werden. "Das führt dazu, dass auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit
nicht ausreichend reagiert werden kann, da die erforderlichen Mittel
zum Gegensteuern nicht vorhanden sind", kritisiert der ÖGB-Präsident.
Die Prognosen bis zum Jahr 2005 lassen darüber hinaus keine
Entspannung erwarten. "Wir brauchen unbedingt eine Erhöhung der
AMS-Mittel. Ich fordere Minister Bartenstein auf, die
Arbeitsmarktreserve von 109 Mio. Euro (1,5 Mrd. Schilling), die die
Regierung für das Budget 2002 abschöpfen wollte, umgehend für eine
aktive Arbeitsmarktpolitik bereit zu stellen, anstatt die
finanziellen Grundlagen des AMS auszuhöhlen", verlangt Verzetnitsch.

Hohe Arbeitslosigkeit bei der Jugend

Mit 36.647 Jugendliche ohne Arbeit, um 7.353 oder 25,1 Prozent mehr
im Vergleich zum Vorjahr, gibt es auch einen akuten Handlungsbedarf
bei dieser Altersgruppe. Dass es in Österreich auch ein großes
Lehrstellenproblem gibt, bestätigen zudem die neuen
Arbeitsmarktdaten. Seit dem Amtsantritt der Regierung bläst den
Jugendlichen in Österreich ein um einiges kälterer Wind entgegen. Die
Regierung soll endlich umdenken, denn die Situation ist ernst: Nach
den veröffentlichten Zahlen des AMS waren per Ende März dieses Jahres
3.388 Jugendliche als lehrstellensuchend gemeldet. Dem gegenüber
standen nur 2.823 offene Lehrstellen zur Verfügung. Rechnet man zu
den Lehrstellensuchenden noch die jugendlichen
ArbeitslosengeldbezieherInnen, Jugendliche in kurzfristigen Kursen
und Schulungen (z. B. Job-Coaching, Berufsorientierung,
Arbeitserprobung) und Jugendliche hinzu, die sich in Auffangnetzen
befinden, ist die Situation noch viel dramatischer.

Zusätzlich nimmt auch die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmer
stetig ab. Waren es 1991 noch 141.099 Lehrlinge in Österreich, so ist
die Zahl im Jahr 2001 bereits auf 122.167 gesunken. Das bedeutet
einen Rückgang um 18.932 Lehrlinge oder 13,42 Prozent. "Von vielen
Unternehmern werden laufend Rufe nach mehr Förderungen laut. Dass
dies jedoch nicht mehr Lehrstellen bringt, wird klar deutlich, wenn
man sich die geltenden finanziellen Entlastungen genauer ansieht.
Allein im Jahr 2001 wurden den Unternehmern finanzielle Entlastungen
von mehr als 94 Millionen Euro (knapp 1,3 Mrd. Schilling)
zugestanden. Die Anzahl der angebotenen Lehrstellen ging trotzdem
zurück.

Ein wichtiger Bestandteil einer Offensive zur Schaffung von
Arbeitsplätzen sind für den ÖGB daher Initiativen zur Verbesserung
der Jungendbeschäftigung. Verlangt wird ein
Jugendbeschäftigungsgipfel und Mittel für ein ausreichendes
Auffangnetz. Bei der Ausbildung ist auch mehr Engagement der
Betriebe, vor allem für jugendliche ArbeitnehmerInnen, gefragt.
Verzetnitsch verlangt daher von "Arbeits"-Minister Martin Bartenstein
seine Garantien einzulösen, dass jeder Jugendliche eine Lehrstelle
bekommt. (ew)

ÖGB, 3. April 2002 Nr.
288

Der ÖGB unterstützt das Volksbegehren "Sozialstaat Österreich" vom 3.
bis 10. April 2002. Machen Sie mit! Jede Stimme zählt.

Rückfragehinweis: ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Ernst Weber
Tel. (++43-1) 534 44/361 DW
Fax.: (++43-1) 533 52 93

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