Oberösterreichische Nachrichten, Kommentar "Die Gefahr des Antisemitismus" von Gerhard Maurer

Der Krieg im Nahen Osten findet auch in Europa zunehmend einen gewaltsamen Widerhall. Anschläge auf jüdische Einrichtungen in Frankreich und Belgien, Schändung jüdischer Friedhöfe in Deutschland lassen sowohl die Gefahr eines 7Stellvertreterkrieges, zwischen Juden und Moslems als auch eines Wiederauflebens des alten europäischen Antisemitismus befürchten.
Mangelnde Integration, soziale Ausgrenzung und schlechte Berufsaussichten haben in zahlreichen europäischen Großstädten unter den Kindern von Einwanderern aus islamischen Ländern = Pakistani in England, Algerier, Tunesier und Marokkaner in Frankreich, Türken in Deutschland und Österreich T enorme Frustrationen aufgebaut. Was sich bisher in jugendlichen Bandenkriegen und Kleinkriminalität entlud, droht nun mit dem Krieg zwischen Israel und den Palästinensern eine politisch-religiöse Prägung zu bekommen. Europa wird sowohl seine Integrationsbemühungen als auch seine Sicherheitsvorkehrungen verstärken müssen, um eine Explosion zu vermeiden.

Unübersehbar meldet sich aber auch der alte europäische Antisemitismus wieder zu Wort. Schließlich ist es erst wenige Jahrzehnte her, dass der rassistische Antisemitismus politisch geächtet wurde und die katholische Kirche dem religiösen Antisemitismus abschwor. Wie viel von beidem noch in den Köpfen herum spukt, wissen wir in Österreich spätestens seit der unseligen Waldheimaffäre, als Tgewisse Kreise an der amerikanischen Ostküste9 als Zentrum des Bösen :entlarvt- wurden.
Ariel Scharons Kriegspolitik gegenüber den Palästinensern wird nun zum Vorwand einer neuen Welle des Antisemitismus, die xden Judenn die Schuld an der Entwicklung im Nahen Osten gibt. Hier sind klare Worte notwendig.
Jede Regierung des Staates Israel muss sich natürlich, wie jede andere Regierung auf der Welt auch, der öffentlichen Kritik stellen. Und selbstverständlich ist es nicht NAntisemitismusy, wenn konkrete Handlungen einer israelischen Regierung kritisiert werden. Sehr wohl aber ist es Antisemitismus, wenn nun eine Art Kollektivschuld und Kollektivhaftung aller Juden für die Politik eines Ariel Scharon propagiert wird. Und wenn Juden in Europa, ganz einfach weil sie Juden sind, wieder zur Zielscheibe von Gewalt und Verunglimpfungen werden.

Europa, das durch die mörderischen religiös und rassistisch motivierten Judenverfolgungen sowie durch den Betrug der Kolonialmächte an den Arabern nach dem Ersten Weltkrieg eine große historische Verantwortung für das Entstehen des Nahostkonflikts trägt, muss alles daran setzen, dass die Gespenster von gestern in ihren Gräbern bleiben.
Dabei geht es nicht nur um hohe moralische Prinzipien, sondern auch um ganz konkreten Nutzen. Europa steht mitten in einem gewaltigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umbruch. Diese Herausforderung können wir nur gemeinsam bestehen. Und nicht getrennt nach Christen, Juden und Moslems.

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