"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: "Ich weiß es nicht"

Ausgabe vom 31.03.2002

Es ist, als hätten UNO-Sicherheitsrat, die USA und Europa angesichts der unfassbaren Gewaltspirale in Nahost ihre tatsächlichen und diplomatischen Waffen gestreckt. Selbst Colin Powell, dessen Beruf es ist, auch in hoffnungsloser Lage einen Rat zu wissen, ist ratlos. "Ich weiß es nicht", antwortet er jenen, die wissen wollen, wie es weitergeht. Alle wissen, dass Vergeltung nicht die Antwort sein kann, und doch ist sie die einzige, die tagtäglich blutigst gegeben wird.

Die Alternative ist nicht unbekannt. Der UNO-Sicherheitsrat selbst hat um sie gerungen. Es ging darum, den Gewaltverzicht zwischen Israel und den Palästinensern nicht nur besorgt zu fordern, sondern anzuordnen. Davor aber schrecken die USA und Europa zurück. Intervention, Pufferzone, internationale Kontrolle wären die Konsequenz. Welche Folgen dies wieder zeitigen würde, ist heute unbeantwortbar.

So bleibt es bei den Appellen, wenigstens Palästinenserpräsident Yasser Arafat nicht umzubringen. Ihn nicht schon längst gekillt zu haben, bedauert Ministerpräsident Ariel Sharon regelmäßig öffentlich. In diesem irrwitzigen Klima aus Hass und Verzweiflung wuchert der Humus, aus dem die Selbstmordterroristen wachsen. Eine Selbstheilung der da wie dort abgrundtiefen Wunden ist hier wohl nicht mehr denkbar.

Die Staatengemeinschaft wird sehr schnell mehr tun müssen, als besorgt fordern. Vermitteln lässt sich in diesem Blutbad längst nichts mehr.

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