"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Wo bleibt sie, die Heiterkeit?

Ausgabe vom 30.03.2002

Während im Heiligen Land die Hölle los ist, ein Nahost-Krieg droht, beackern heimische Medien ein lächerliches Thema. Gerhard Haderer braucht mit seinem Schicksal nicht zu hadern, ist doch sein Jesus-Buch nach wie vor für Schlagzeilen gut. Die keinesfalls umwerfenden Darbietungen des Karikaturisten beschäftigen die Öffentlichkeit heftiger als das Privatleben des bis zum Skelett herabgestylten Eheflüchtlings und Ex-Bundeskanzlers Klima. Und das will etwas heißen.

In das Jesus-Thema innigst verflochten sind Analysen, wie es die Kirche mit dem Humor hält. Nicht nur aus KTZ-Sicht lädt besagter Karikaturenband eher zum Lächeln ein denn zur Feststellung, das Christentum werde verspottet. Heiterkeit, Gelassenheit, maßvolle Disposition der Psyche gehören heute ja zur Familie jener Begriffe, die gröblich Vernachlässigung erfahren. Was Demokrit im 5./4. Jahrhundert vor Christus mit "Wohlgestimmtheit des Gemüts" gleichsetzte und der Stoiker Seneca im ersten nachchristlichen Jahrhundert als "Seelenruhe" auffasste, hat nichts mit grobem Gelächter und schon gar nichts mit penetranter Fröhlichkeit oder seichter Event-Stimmung unserer Tage zu tun.

Kirchlich-politischer Gleichklang: Wer sich ihr, sich der Macht nähert, dem bleibt Heiterkeit in der Regel nicht nur als philosophischer Begriff verschlossen. Man erinnert sich immerhin an zwei lächelnde Päpste, wie oft aber sieht man Politiker wohlgesonnen lächeln? Zank und Hader zählen in - auch Kärntens - Politkreisen zur traurigen Routine. Vielen Volksvertretern schwebt Heiterkeit nicht einmal als Illusion vor.

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