Oberösterreichische Machrichten: Kommentar "Gefangen in der Terrorfalle" von Hans Köppl

Schockiert verfolgen wir die traumatische Serie von Selbstmordattentaten in Israel und die auf jeden Anschlag nachfolgende Militäraktion der israelischen Armee. Eine furchtbare Saat der Gewalt ist im ehemals Heiligen Land aufgegangen, ein Ende ist nicht absehbar. Provokant wird in der Abschlusserklärung des Gipfels der Arabischen Liga die Frage aufgeworfen, was Terrorismus von palästinensischem Widerstand gegen die israelischen Besatzer unterscheidet.
Auch wenn die Fragestellung vordergründig nach einer Rechtfertigung der von Palästinensern verübten Anschläge heischt, ist sie im Grunde berechtigt. Die aus der Sicht des Durchschnittseuropäers nur als Wahnsinnstaten zu betrachtenden Selbstmordanschläge begründen sich mit einem, in den Augen der Palästinenser historisch legitimierten und ihnen gewaltsam vorenthaltenen Anliegen. Sie wollen ihren eigenen Staat. Diesen haben schließlich auch die Israelis 1948 mit den Mitteln des Terrorismus von den Engländern erreicht.

Jahrhundertelang war Terrorismus ein Werkzeug der Einschüchterung der Schwachen durch die Mächtigen. Eroberer verbreiteten Angst und Schrecken, um die Bewohner belagerter Städte zur Kapitulation zu treiben. Seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts sind es vorwiegend sich unterdrückt, benachteiligt, marginalisiert fühlende Gruppierungen oder Ethnien, die sich terroristischer Mittel bedienen, um auf sich aufmerksam zu machen. Ob berechtigte Anliegen dahinter stecken oder verbrecherische Motive ändert nichts an der Tatsache, dass Terrorismus stets unschuldige Opfer fordert. Das Wesen des Terrorismus besteht darin, Angst zu verbreiten. Die Angst der verunsicherten Zivilbevölkerung soll die Machthaber zum Einlenken auf die Forderungen der Terroristen bewegen.
Ob berechtigten Anliegen entspringend oder von ideologischen Irrläufern verübt, Terrorismus ist immer ein Verbrechen. Seine Bekämpfung ist eine militärisch-polizeiliche Sisyphusarbeit. Der Krieg gegen den Terrorismus, zu dem der amerikanische Präsident George W. Bush aufgerufen hat, ist zweifellos eine semantische Fehlleistung, wenn dabei so genannte Kollateralschäden in Kauf genommen werden, die Tötung Unschuldiger infolge zwangsläufig mangelhafter Zielpräzisierung. Verbrechen, gleich welcher Art, können von der zivilisierten Welt aber nicht hingenommen werden. Welche Möglichkeiten hat sie nun, den modernen Terrorismus zu bekämpfen?

Allen um Deeskalation bemühten Vorschlägen haftet mehr oder weniger der Geruch der Naivität an. Die geringsten Chancen dürfte wohl der Wunsch von Kardinal Schönborn haben, als geinzigen Ausweg aus der Spirale von Gewalt und Gegengewalt, aus der Sklaverei des Hasses und des Bösen, den Weg der dienenden Liebe= zu gehen. Der ultimativen Entschlossenheit, die terroristische Attentäter prägt, ist nur mit entschlossenem Widerstand zu begegnen. Die entscheidende Frage ist, welcher Mittel sich dieser Widerstand bedienen soll.

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