"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Selbstprüfung" (Von Hans Winkler)

Ausgabe vom 30. März 2002

Graz (OTS) - Schlimmer hätte es nicht kommen können: Das Jesus-Buch von Gerhard Haderer, dem selbst drei bekannte Karikaturisten-Kollegen höflich verklausuliert bescheinigen, weder sehr originell noch sehr witzig zu sein, ist zum Anlass für eine mit Hingabe geführte Kirchenkampagne geworden.

Einige Wohlmeinende und manche viel weniger Gutgesinnte helfen dabei eifrig mit, indem sie einen Kreuzzug mit gerichtlichen Blasphemie-Klagen und Boykotten gegen Autor und Verlag führen.

Damit bestätigen sie nur die Vorurteile gegen die Kirche: So illiberal ist sie eben, auf harmlose Kritik reagiert sie mit Repressalien.

Und sie ermöglichen es Haderer und Konsorten auch noch, sich als Biedermänner darzustellen und als Opfer vorzukommen.

Was anfänglich bloß als ein taktischer Fehler erscheinen mochte -nämlich ein nicht sehr bedeutendes Buch wichtig gemacht zu haben -ist zu einer Kalamität geworden.

Immerhin hat die Kirche einen komparativen Vorteil: Während ihre Verächter in Selbstgerechtigkeit verharren müssen, darf sie sich prüfen und die österliche Zeit dazu benützen, mit sich selbst streng ins Gericht zu gehen. ****

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