Pharmig (3): Arzneimittel: Die nackten Tatsachen

Bei Medikamenten funktioniert der Slogan "Großer Wert und kleiner Preis" auf Dauer nicht - Qualitätseinbussen, Standort-Nachteile und mögliche Verluste bei den Arbeitsplätzen drohen - Wehret der "Billigmedizin"!

(Wien/OTS). Der Vizepräsident der Pharmig, Wilhelm Schwab, präsentierte anlässlich der Vorstellung der neuen Spectra-Studie "Arzneimittel - Was wollen die ÖsterreicherInnen" die aktuellsten Fakten rund um Arzneimittel und die Situation in Österreich.

"KOSTENTREIBER" ARZNEIMITTEL ? - VON WEGEN!

Arzneimittel machen im Gesamtkonzert der Ausgaben der Sozialversicherungsträger nur einen Anteil von 14 Prozent aus. 86 Prozent der Ausgaben werden also von anderen Segmenten getätigt. So liegen etwa Spitalskosten und Leistungen für ärztliche Hilfe ausgabenmäßig über dem Arzneimittel-Bereich. Der dritte Ausgabenposten, der höher als Arzneimittel ist, betrifft die "Sonstigen Leistungen". Darunter sind z.B. Krankenstandsgeld, Transportvergütungen, Entgeltfortzahlungen oder Mutterschutzgeld zu verstehen.

KOSTENDÄMPFUNGSMASSNAHMEN

Schwab berichtete, dass die Pharmaindustrie seit 1996 "sehr viel Verständnis für die Nöte der Kassen" aufgebracht habe. Von 1996 bis 2001 hat sie den enormen Betrag von insgesamt 213,4 Mio. Euro (2,9 Mrd. Schilling) zur Entlastung der Kassenbudgets beigetragen. Diese Summe entspricht dem Kassenverkaufspreis (KVP) und ausschließlich dem finanziellen Beitrag der Pharmaindustrie. Die daraus automatisch resultierenden zusätzlichen Beiträge von Pharma-Großhandel und Apotheken sind in dieser Zahl nicht enthalten. Der Pharmig-Vizepräsident: "Weitere Zugeständnisse wird die Pharmaindustrie in Zukunft nicht machen, ja gar nicht machen können."

ARZNEIMITTELPREISE IM DAUER-SINKFLUG

Die Arzneimittelpreise in Österreich befinden sich seit Jahren im Sinkflug. Auf Basis Fabriksabgabepreis (FAP) erreichen Sie nicht einmal das EU-Mittel. Während bei der Entwicklung der Gehälter und der Verbraucherpreise die entsprechenden Kurven steil nach oben zeigen, geht jene der Arzneimittelpreise kontinuierlich bergab.

Die Konsequenzen aus dieser Entwicklung: "Diese Situation kann sehr gefährlich werden", so Schwab. "Zu langfristig planbaren Rahmenbedingungen, wie die Pharmaindustrie sie braucht, gehören auch faire Preise. Sind diese nicht gegeben, werden vor allem neue, hoch innovative Präparate zunehmend dem Hauptverband gar nicht mehr angeboten werden. Für Patienten heißt das, dass sie diese Arzneimittel nicht ohne Hürden erstattet bekommen. Überdies resultieren daraus für Österreich Standort-Nachteile, und Arbeitsplätze könnten dadurch verloren gehen."

SCHLUSS MIT BILLIGMEDIZIN!

Die derzeitige Praxis des Hauptverbandes, prioritär Generika ins Heilmittelverzeichnis aufzunehmen und die Aufnahme von Innovationen aus rein ökonomischen Überlegungen hintan zu halten, sei zu stoppen, appellierte Schwab. Erstens sei dies wiederum zum Nachteil der Patienten, andererseits wissen wir seit heute genau, das die ÖsterreicherInnen mit dieser Vorgangsweise nicht einverstanden sind." Schwab erklärte, dass Generika zwar sehr wohl eine Rationalisierungsreserve für das Gesundheitswesen darstellten, doch es gerade innovative Medikamente aus ihrem Wert heraus oft die preiswertere Alternative sind, weil sie beitragen können, z.B. Operationen oder Mehrfach-Medikationen zu vermeiden oder Krankenstände zu verkürzen oder gar zu verhindern. Der Pharmig-Vize:
"Will man zu dieser Sichtweise gelangen, muss man Preis und Nutzen miteinander verknüpfen. Das passiert in Österreich aber leider nicht."

ARZNEIMITTELAUSGABEN WERDEN WEITER STEIGEN

"Dass "Sparpakete" im Arzneimittelbereich bei den Österreichern nicht erwünscht sind, steht seit heute fest. Dass sie aber auch keinen Sinn machen, weil sie nur kurzfristige Effekte nach sich ziehen, ist eine weitere Sache", erläuterte Schwab. Und: "Wer glaubt, dass die Arzneimittelausgaben jemals absinken werden, erliegt einer Illusion". Dieser Umstand ergäbe sich, so der Pharmig-Vize, schon allein aus der demografischen Situation. Eine höhere Lebenserwartung bringt automatisch einen höheren Bedarf an Arzneimitteln mit sich. Schon ab einem Lebensalter von Mitte 40 steigt der Arzneimittel-Bedarf an. Betagte und hochbetagte Menschen brauchen die meisten Arzneien zur Heilung oder Linderung ihrer Beschwerden oder zur Erhaltung einer adäquaten Lebensqualität. Schwab: "Wer will diesen Menschen das verweigern? - Wer kann schon wollen, dass einem in einer ähnlichen Situation nicht durch notwendige Arzneimittel bestmöglich geholfen wird?"

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