DER STANDARD - Kommentar am 29.03.2002: Der Bahnhof-Skandal

Von Gerfried Sperl

Wien (OTS) - Jetzt steht der Skandal wieder einmal, aber halt nur kurz in den Schlagzeilen: Wiens große Bahnhöfe gehören zu den schlechtesten und schmutzigsten in Westeuropa. Nicht einmal für Behinderte ist vorgesorgt. Das Ergebnis dieses Rankings fügt sich in den Zustand der in Wien ankommenden und vor allem der Wien verlassenden Züge. Sie haben keinen Komfort (Katzentische in der ersten Klasse), sind ungenügend ausgestattet (schlechte Klimatisierung, kein guter Handyempfang) und langsam.

Natürlich kann man behaupten: Die Stadt Wien ist nicht zuständig, sondern die Österreichischen Bundesbahnen. Dahinter aber gibt es mindestens eine politische Verantwortungsschiene. Jahrelang wurden die Verkehrsminister von der SPÖ gestellt, Österreich und Wien wurden von SPÖ-Politikern regiert. Geschehen ist in diesen Jahren nichts. Der Südbahnhof hat nicht einmal einen U-Bahn-Anschluss, weder Süd-noch Westbahnhof sind direkt mit dem Flughafen verbunden. Das ist nicht EU, sondern Balkan a la Karl May.

Wäre ja alles besser gelaufen, wenn man einen Zentralbahnhof gebaut hätte, hört man immer wieder. Eben jetzt wird das erneut vom gar nicht mehr so neuen Wiener Planungsstadtrat Rudolf Schicker verlangt. Vor 2020 wird sich angeblich nicht viel bewegen.

Frage: Mischt sich Michael Häupl, der Wiener Bürgermeister, nicht auch in Bundessachen ein? Macht er doch mit seiner Macht. Tatsache ist: Der Bahnhof-Skandal ist auch ein Skandal der Wiener Stadtregierung. Sie setzt sich zu wenig dafür ein, dass diese Verkehrsknoten werden, was bisher versandelt wurde: ein modernes Drehkreuz und ein kundenorientierter Verkehrsplatz.

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