Landertshammer: Wirtschaftkammer fordert "Rat für Hochschulentwicklung"

Entwurf des Uni-Gesetzes bietet keine Möglichkeit zur standortübergreifenden Koordination

Wien (PWK229) - "Klar ist, dass die Universitäten ihre Autonomie erhalten müssen. Die Vorstellung, dass ein Ministerium die Angelegenheiten von Forschung und Lehre so wie in der Vergangenheit detailreich reguliert, ist nicht mehr zeitgemäß. Mehr noch: Sie verengt den Freiraum zur Neupositionierung der Universitäten im Hinblick auf neue gesellschaftliche und wirtschaftliche Erfordernisse, die an sie herangetragen werden", sagte heute, Donnerstag, der Leiter der bildungspolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Österreich, Michael Landertshammer.

Der nunmehr vorliegende Entwurf des neuen Universitätengesetzes solle das bisherige Organisations- und Studienrecht ablösen. "Von heute auf morgen erwarten wir uns hiervon keine grundlegenden Änderungen in den Leistungsangeboten unserer Universitäten - mittelfristig sollte sich jedoch einiges ändern", so Landertshammer. "Neu ist vor allem, dass sich die Universitäten eigenständig positionieren sollen. Die Universität Graz könnte sich beispielsweise schwerpunktmäßig zu einer Uni für den südosteuropäischen Raum entwickeln, indem sie etwa ihre wirtschaftswissenschaftlichen und sprachlich-kulturellen Lehrangebote für diesen Teil Europas verdichtet und über internationale Kooperationen mit anderen Universitäten dieser Region abrundet. Hier sind viele Möglichkeiten vorstellbar, und für die Wirtschaft wird es dann wirklich spannend, man bei der Suche nach neuen Mitarbeitern nicht nur die Studienrichtung, sondern auch das Profil der jeweiligen Uni bei der Auswahl entscheidet."

Mit derartigen Schwerpunktsetzungen und Profilbildungen stellt sich aber auch die Frage nach einer universitätsübergreifenden Koordination. So bietet es sich etwa im Bereich der Naturwissenschaften an Universitäten und den Technischen Naturwissenschaften der TUs an, die Lehrangebote gemeinsam an neuen Schwerpunkten auszurichten. "Hier sollte es darum gehen, die Ressourcen am jeweiligen Studienort zu bündeln, um eine kritische Masse zu bilden, die zur Leistungssteigerung im internationalen Wettbewerb führt. Die Autonomie ist dabei nicht das Zauberwort, das solche Prozesse gleichsam von allein einleitet."

Zur standortübergreifenden Koordination der Hochschulentwicklung bietet der Gesetzesentwurf jedoch so gut wie keine Möglichkeiten. Während das UOG93 hierzu das Universitätenkuratorium und überuniversitäre Gremien wie die Rektorenkonferenz vorsieht, gibt es im Entwurf überhaupt keine derartigen Einrichtungen mehr. Ähnlich wie im Fachhochschulbereich brauchen aber auch die Universitäten klare Orientierungen, wo die Potenziale für erfolgsträchtige Entwicklungen liegen und wie man Redundanz vermeiden kann. Hierzu müssen unter anderem auch die Leistungsvereinbarungen zwischen der Universität und dem Ministerium von einer externen Einrichtung "quergelesen" werden. Überdies macht es auch nur wenig Sinn, eine solche Koordination auf universitäre Entwicklungen zu beschränken: Das Studienangebot der Fachhochschulen ist bereits in vielen Studienrichtungen für die Universitäten eine ernstzunehmende Konkurrenz und wird mittelfristig gewisse Abstimmungen bei den Universitäten erforderlich machen.

"Wir brauchen daher einen Rat für Hochschulentwicklung, der dem Ministerium zur Sicherung einer abgestimmten Weiterentwicklung des gesamten Hochschulsektors unter Einschluss der Fachhochschulen zur Seite gestellt wird." So wie im jetzigen Universitätenkuratorium sollten in dieser Einrichtung nicht nur Hochschulvertreter sitzen, sondern vor allem Fachleute aus den diversen Wirkungsbereichen von Universitäten und Fachhochschulen. "Namentlich die Wirtschaft als wichtiger Abnehmer der Leistungen unserer Hochschulen sollte in diesem Rat angemessen vertreten sein" stellt Landertshammer abschließend fest. (us)

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