"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Bei Anruf Crash" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 28. 3. 2002

Innsbruck (OTS) - Am Steuer regiert die Handy-Manie und nicht die Moral. Nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass einer Untersuchung zufolge 83 Prozent der Autofahrer auch ein Handy besitzen. 55 Prozent benützen es regelmäßig am Volant, wie das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) in Österreich erhoben hat.

Freisprechanlage oder nicht - diese Frage stellt sich schon längst nicht mehr. Seit 1999 ist das Telefonieren ohne Freisprechanlage verboten. Obwohl Verstöße nach wie vor als Kavaliersdelikt angesehen werden, ist die Wissenschaft schon einen Schritt weiter bzw. hinkt die Verkehrspolitik hinten nach. Auch wenn die Freisprechanlage benützt wird, hält das Telefonieren am Steuer Geist und Körper des Lenkers in Schach. Das Handy killt die Konzentration.

Natürlich braucht es für das Bewusstmachen dieser unterschätzten Gefahren einen Aufhänger. Vielleicht lichtet erst der überzogene Vergleich Handy am Steuer kontra Alkohol die vorhandenden psychologischen Nebelschwaden. An der Ablenkung führt aber keine Diskussion mehr vorbei, die Unfallgefahr steigt. Verminderte Reaktionszeiten, sinkende Konzentration und ein eingeschränkter Blickwinkel erhöhen das Risiko. Andererseits nimmt die Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr zu. Laut KfV halten drei Viertel der telefonierenden Autolenker vor Zebrastreifen nicht an. Da die österreichischen Autofahrer ohnehin nicht mit dem Knigge aufgewachsen sind, wird durch die Handymanie ein negativer Trend noch verstärkt.

Die Freisprechanlagen haben die Handy-Problematik im Straßenverkehr bisher zugedeckt, geringe Strafen beim direkten Draht die Gefahren bagatellisiert. Lange war Alkohol am Steuer ein Tabu. Wie lange es beim Handy noch dauert, ist ungewiss. Mit der eingeschalteten Mailbox könnte der Kopf aber sicher freigeschaltet und die Aufmerksamkeit hinter dem Lenkrad erhöht werden.

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