ÖGB-Frauen: Endlich ist Minister Bartenstein aufgewacht!

Seit 1. Januar arbeiten Frauen in der Nacht ohne ausreichende Schutzbestimmungen

Wien (ÖGB). "Es ist höchste Zeit, dass Minister Bartenstein seine Untätigkeit aufgibt und einen Gesetzesvorschlag zur geschlechtsneutralen Neuregelung der Nachtarbeit präsentiert", erklärte ÖGB-Frauensekretärin Sylvia Ledwinka. Der ÖGB hätte schon lange vor Ablauf der Ausnahmebestimmung Ende 2001 auf eine neue Regelung gedrängt. "Dass Bartenstein seine Versäumnisse nun auf die Sozialpartner schiebt, ist nicht gerechtfertigt", so Ledwinka.++++

"Frauen können seit 1. Januar nun laut EU-Recht in der Nacht arbeiten, ohne dass es eine geschlechtsneutrale Neuregelung der Nachtarbeit und damit ausreichende Schutzbestimmungen gibt", erläuterte Ledwinka und forderte einen raschen Gesetzesentwurf zur nationalen Neuregelung der Nachtarbeit für Frauen und Männer. Schließlich arbeiten in Österreich 29 Prozent der Männer und 9 Prozent der Frauen in der Nacht, das ist im EU-Vergleich die zweithöchste Nachtarbeitsquote.

Die Nachtarbeit bringt vor allem für Frauen schwere gesundheitliche Belastungen mit sich: Laut einer Befragung der Arbeiterkammer klagen 60 Prozent der nachtarbeitenden Frauen über gesundheitliche Probleme, ebenso 39 Prozent der nachtarbeitenden Männer. Nicht nur, dass Nachtarbeit bestehende Krankheiten verstärke, Frauen empfänden sie häufig als subjektiven Zeitgewinn, erklärte die ÖGB-Frauensekretärin. "In der Nacht wird gearbeitet, am Tag werden -nach wenigen Stunden Schlaf - die Kinder versorgt", so lautet die Praxis-Erfahrung zahlreicher Betriebsrätinnen.

"Angesichts der häufigen Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Verdauungsprobleme und dem erhöhten Brustkrebsrisiko von Frauen, die in der Nacht arbeiten, ist eine rasche gesundheits- und sozialverträgliche Neuregelung der Nachtarbeit unumgänglich", so Ledwinka. Die Forderungen des ÖGB müssten schnellstens umgesetzt werden, betonte die ÖGB-Frauensekretärin.(tb)

Die Forderungen des ÖGB im Detail:

O Als Nachtzeitraum soll die Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr festgelegt werden.

O Als Nachtarbeitende/r gilt, wer an mindestens 20 Tagen im Kalenderjahr während der Nacht mindestens zwei Stunden arbeitet.

O Keine Versetzung auf einen Nachtarbeitsplatz ohne Zustimmung des/der ArbeitnehmerIn.

O Für jede Stunde Nachtarbeit ein Zeitguthaben von 10 Minuten. Das Zeitguthaben dient zur Erholung und darf nicht in Geld abgelöst werden.

O Verpflichtende regelmäßige arbeitsmedizinische Untersuchungen.

O Gesetzlicher Anspruch auf einen Tagesarbeitsplatz bei nachgewiesener Gesundheitsgefährdung, Betreuungspflicht für Kinder unter 12 Jahren oder Pflege eines nahen Angehörigen.

O Gewährleistung des sicheren Erreichens des Arbeitsplatzes und Möglichkeit zur Einnahme einer warmen Mahlzeit während der Nacht.

ÖGB, 27. März 2002 Nr. 261

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