ÖAMTC-Test: 23 europäische Bahnhöfe auf dem Prüfstand - Unter den fünf "mangelhaften" rangiert auch der Süd- und Westbahnhof

"Gesamtsieg" erging an alle sieben Testkandidaten Deutschlands - Frankfurter Bahnhof bekam als einziger die Note "sehr gut"

Wien (ÖAMTC-Presse) - "Dass der Bahnhoftest 2002 so schlimm für Österreich ausgehen wird, konnte keiner ahnen", bedauert Willy Matzke, der Testleiter des Projektes beim ÖAMTC. Von 23 durch die Eurotester der Automobilclubs geprüften Bahnhöfe sind nur Amsterdam und Lille in Frankreich noch schlechter weggekommen als die Großbahnhöfe Wien Süd und Wien West. Sensationell dagegen ist das Ergebnis der sieben getesteten Bahnhöfe in Deutschland. Alle sieben belegen die ersten Plätze und haben damit in Europa eindeutig die Nase vorne.

Als klarer Testsieger konnte sich der Frankfurter Bahnhof als einziger die Note "sehr gut" sichern. Acht Mal wurde die Note "gut" vergeben, gleich neun Bahnhöfe mussten die Note "ausreichend" für sich verbuchen. Mit "mangelhaft" sind die Bahnhöfe "New Street" in Birmingham, sowohl der West- als auch der Südbahnhof in Wien, "Centraal" in Amsterdam und als Schlusslicht "Lille-Flandres" im französischen Lille durchgefallen.

So wurden die Standards der Bahnhöfe erhoben

Noch vor Testbeginn checkten die Tester vorab Hotlines und Internetseiten, verschickten Fragebögen an die Bahnhofsmanager, prüften inkognito vor Ort und sicherten anschließend alle Daten in einem Gespräch mit den jeweiligen Verantwortlichen ab. Geprüft wurden nur die Funktionselemente eines Bahnhofs, Architektur spielte keine Rolle. Ein wesentliches Testkriterium war auch die Passagierfrequenz und die Häufigkeit des internationalen Zugverkehrs. "Da wäre Österreich im internationalen Vergleich fast nicht zum 'Zug' gekommen, so wenig wird bei uns Bahn gefahren", resümiert Matzke.

Die häufigsten Beanstandungen und Mängel waren:

  • Oft gibt es keine Notrufsäulen, die Videoüberwachung fehlt oder erfasst nicht alle Bereiche.
  • Sprinkleranlagen gibt es nur selten, Feuerlöscher sind nicht immer frei zugänglich.
  • Häufig sucht man Apotheken, soziale oder medizinische Dienste vergeblich.
  • Auch Autovermietungen finden sich längst nicht überall.
  • Das Gleiche gilt für Parkmöglichkeiten oder Fahrrad-Abstellplätze.
  • Fehlende Warteräume, Lounges oder Sitzmöglichkeiten an Bahnsteigen machen längeres Warten zum Ärgernis.
  • Umsteigewege vor allem in Kopfbahnhöfen sind zu lang.
  • Geschlossene Ticketschalter, fehlende oder zu schwach besetzte Reisezentren, zu wenige Ticket-Automaten und nicht genügend Personal sorgen für unzufriedene Bahnkunden.
  • Toiletten sind nicht sauber.
  • Preise sind teils schwindelerregend hoch.
  • Und: Geschäfte und Gastronomie gibt es mancherorts nur auf niedrigem Niveau.

Doch im Gegensatz zu anderen Ländern, wo sogar die Brandsicherung verheimlicht wurde, war die Kooperationsbereitschaft mit den ÖBB gut. Das Personal versucht das Beste aus den Wiener Bahnhöfen herauszuholen, auch wenn man sich mit einer Infrastruktur aus den 50er Jahren abfinden muss. Hier rächt sich, dass die Bahnhofsoffensive kräftig zusammengestutzt wurde. Norbert Steiner, Projektleiter der ÖBB-Bahnhofsoffensive: "An dieser bisher härtesten Analyse gibt es gar nichts auszusetzen - leider." Gebaut wird in Wien derzeit am Bahnteil von Wien Mitte, von dort soll schon 2003 der Airport-Express zum Flughafen fahren - aber nur alle 30 Minuten. "Bei 30 Minuten Wartezeit fährt jeder mit dem Auto. Wenn nicht rasch was passiert, bleibt Wien Endstation aus Richtung West und aus Südost. Verglichen damit sind die Tunnelvorhaben Semmering, Koralm und Brenner ziemlich nebensächlich", sagt Projektleiter Matzke.

Mit Eurotest-Ergebnissen ist für Nachhaltigkeit gesorgt

Durchgeführt wurde die umfassende Testserie mit Unterstützung des Europäischen Tourismus Instituts (ETI) in Trier, den Sicherheitsexperten des Fraunhofer-Instituts UMSICHT in Oberhausen und dem medizinischen Fachlabor Synlab in Augsburg. 15 Automobilclubs waren im Rahmen des Kooperationsprogramms Eurotest als Partner an dem Test beteiligt.

Eurotest ist inzwischen die größte Testorganisation Europas. Sie ist von den 15 Automobil- und Touringclubs in Europa eingesetzt, um Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit von Einrichtungen der mobilen Gesellschaft zu prüfen. Für Nachhaltigkeit aufgrund vorliegender Testergebnisse ist gesorgt, das heißt, die Ergebnisse müssen zu Änderungen führen und aufgezeigte Missstände behoben werden. Die EU selbst kennt keine solchen Tests für Konsumenten, bisher werden die Kosten ausschließlich von den Automobilclubs getragen.

Aviso an die Redaktionen:
Fotos und eine Grafik zum Bahnhoftest 2002 sind auf der ÖAMTC-Homepage unter www.oeamtc/presse.at abrufbar. Ebenso finden sich alle Detailergebnisse zu dieser 353 Seiten umfassenden Studie auf der Internetseite des Clubs.

Aviso an die Hörfunkredaktionen:
Ein Interview mit dem ÖAMTC-Testexperten Willy Matzke zu den Ergebnissen des Bahnhoftests 2002 ist via APA-Plattform abrufbar.

(Schluss)
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