"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Das Märchen" (Von Bernd Olbrich)

Ausgabe vom 25. März 2002

Graz (OTS) - Die Exekutive leidet seit Jahren an galoppierender Auszehrung. Reihenweise werden Gendarmerieposten zugesperrt, Beamte abgebaut und Überstunden eingespart.

Der Gendarmen oberster Boss aber lässt sich davon nicht entmutigen und wirft seine Bataillone unverdrossen an die Verkehrsfront: Jede Radarpistole sei scharf geladen, warnte Innenminister Ernst Strasser vor Beginn der Osterwoche Raser und sonstige Verkehrssünder, alle Beamten wären an der frischen Luft und sogar jedes der raren Abstandsmessgeräte sei in Betrieb.

Nun gibt es drei Möglichkeiten, wie diese Warnung zu bewerten ist:

1. Strasser hat neue Beamte aufgetrieben und die Überstundenkontingente aufgestockt.

2. Der Beamten gibt es eh genug, nur vor und nach Ostern sind ihnen Raser & Co. ziemlich egal, weil es in den Gendarmerieposten viel gemütlicher ist.

3. Der Innenminister hofft, dass die Menschen einem Minister einfach glauben. Auch wenn er ihnen Jahr für Jahr dasselbe Märchen erzählt.

Wie auch immer: Wer Ostern überleben will, sollte sich nicht darauf verlassen, dass er von der Exekutive gestoppt wird, und deshalb besser selbst den Fuß vom Gaspedal nehmen. ****

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