WirtschaftsBlatt-Kommentar: Die Weltwirtschaft will international bleiben - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Der 11. September 2001 war keine Trendwende, sondern nur eine Delle. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der Forschungsabteilung der Wochenzeitschrift "The Economist": Nach den Terroranschlägen in New York und Washington sind die Direktinvestitionen zwar weltweit eingebrochen vom Rekordwert von 1,3 Billionen Dollar auf nur noch 781 Milliarden Dollar, der Economist ortet aber einen kommenden Boom: Nach Stagnation im heurigen Jahr sollen die Auslandsinvestitionen ab 2003 wieder deutlich zulegen. In den nächsten fünf Jahren wird ihr Volumen grösser sein als der weltweite Handel und auch grösser als das Produktionsvolumen. Das World Trade Center wurde getroffen. Der Welthandel nicht.

Diese Aussicht ist - bei aller Skepsis, die der Globalisierung gegenüber erlaubt sein muss - erfreulich. Denn die Alternative zur Globalisierung ist Renationalisierung, Fremdenfeindlichkeit, Abschottung. Und die Anzeichen nach dem 11. September - von der Debatte über Fingerprints für Fremde und den Kauf von Abfangjägern in Österreich über die weltweite Hatz auf alles fremd Aussehende zur internationalen Diskussion über noch mehr Kontrolle für die Finanzströme bis hin zu amerikanischen Militärtribunalen für Ausländer, die weitgehend ohne Rechtsstaat auskommen - liessen durchaus den Schluss zu, dass der Zug in diese Richtung abgefahren sei.

Der Albtraum scheint vorbei zu sein, wenn es auch die nationalen Politiker noch nicht ganz begriffen haben. Auch in der europäischen Politik denken die Staatenlenker ja hauptsächlich darüber nach, wie sie ihrem Land auf Kosten der anderen Vorteile verschaffen können -statt die Fantasie darauf zu richten, wie alle gemeinsam mehr erreichen können. Die internationale Wirtschaft ist da bereits weiter. Sie denkt grenzenlos. Und es ist besonders erfreulich, dass bei den weltweiten Direktinvestitionen die EU sowohl als Investor als auch als Zielland - jeweils deutlich vor den USA - in Führung liegt. Die Zukunft - gerade die Europas - liegt nicht in der Abschottung, sondern in der Internationalisierung.

Das macht sich auch bezahlt - erst recht, wenn Investments in weniger reichen Staaten nicht nur der Auslagerung von Billig-Arbeitsplätzen dienen. Siehe etwa die Erste, die bereits einen Grossteil ihrer Gewinne im Osten schreibt.
(Schluss) hg

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