ÖGB-Zukunftskonferenz: Profis vom Standort vor Ort

Zentralbetriebsräte von BMW-Steyr und OMV in Stoob

Stoob (ÖGB). "BMW ist deshalb nach Österreich gekommen, weil sich die Politik unter dem damaligen Bundeskanzler Dr. Kreisky darum bemüht hat", begann der Zentralbetriebsrat von BMW-Steyr, Herbert Pühringer, sein Referat.++++

Pühringer weiter: "Er hat die Vorstellung gehabt, eine Automobilproduktion nach Österreich zu bringen, weil er gewusst hat, dass das ein gewaltiger industriepolitischer Motor ist, um den herum eine Vielzahl anderer wirtschaftlicher Aktivitäten entstehen wird. Dafür ist der damalige Bundeskanzler anfangs massiv kritisiert worden. Aber unser Land hat die Automobilproduktion bekommen."

Pühringer sagte, dass für Steyr die Jahrhunderte dauernde Metallproduktion und die Automobiltradition gesprochen habe. Die notwendigen hochqualifizierten Arbeitskräfte waren schon vor Ort am neuen Standort.

"Dazu kamen dann Förderungen vom Bund, vom Land Oberösterreich und von der Stadt Steyr dazu. Auch diese Förderungen sind damals heftig kritisiert worden. Aber eine Wifo-Studie hat einige Jahre später den wissenschaftlichen Beweis gebracht, dass die Förderungen das Beste war, was Österreich in diese Richtung jemals gemacht hat. Denn bereits nach rund viereinhalb Jahren hatten sich die Förderungen schon mehr als bezahlt gemacht," führte Pühringer aus.

Das BMW nach Steyr gekommen ist, sieht Pühringer als ein sehr erfolgreiches Beispiel der Betriebsansiedelungspolitik, wie sie damals betrieben worden ist. Es sei eine "win-win-Situation" entstanden.

Zentralbetriebsratsobmann Pühringer: "So profitiert das Unternehmen davon, weil wir uns zum größten Motorenwerk in der ganzen Gruppe hinaufgearbeitet haben. Ich erinnere daran, dass Österreich im Kfz-Bereich ein jährliches Außenhandelsdefizit in der Größenordnung von knapp zwei Milliarden Euro hatte. Heute haben wir einen Außenhandelsüberschuss von mehr als zwei Milliarden Euro. Es profitieren die Stadt Steyr und die gesamte Region, die Zulieferer. 2.700 ArbeitnehmerInnen leben direkt vom BMW-Motorenwerk, 3.700 indirekt in den Zulieferbetrieben und ähnlichem", sagte Pühringer.

Zum Thema "Sicherung des Wirtschaftsstandortes" meinte der Betriebsrat: "Der Wirtschaftsstandort Österreich ist für die Industriegebiete generell exzellent. Denn wir haben sehr gut ausgebildete Mitarbeiter, die sich ständig weiterbilden wollen. Überdies sind diese hochmotiviert, sind loyal zum Arbeitgeber und die ArbeitnehmerInnen-Arbeitgeberbeziehungen sind berechenbar."

Pühringer kritisierte in diesem Zusammenhang die Studiengebühren, die zu wenigen Plätze an den Fachhochschulen aufgrund fehlender Ressourcen, die fehlenden Lehrplätze und das fehlende Geld für die Erwachsenenbildung.

BMW-Pühringer fragte sich: "Wenn bei der Ausbildung und bei der Weiterbildung generell der Rotstift angesetzt wird, woher sollen dann in Zukunft die gut ausgebildeten Mitarbeiter kommen? Die Gefahr für den Wirtschaftsstandort Österreich kommt nicht von den immer wieder behaupteten flexiblen Arbeitszeiten. Wir bei BMW haben flexible Arbeitszeiten. Bisher war es immer das herausragende Ziel der Wirtschaftspolitik, dass es Vollbeschäftigung gibt und dass die Arbeitnehmer ein ordentliches Einkommen haben sollen. Denn das führt zu einer hohen Gesamtnachfrage und diese hohe Gesamtnachfrage ist letztendlich wieder ausschlaggebend dafür, was die Unternehmen in Österreich verkaufen können," beendete Pühringer sein Referat.

Als letzter Referent sprach OMV-Zentralbetriebsrat Leopold Abraham über eine eigenständige österreichische Industriepolitik: "Der Staat hat eine enorm wichtige Rolle in der Industriepolitik inne und muss diese aktiv ausfüllen. Die österreichischen Industriebetriebe sind überwiegend nicht in den strategischen hochtechnologischen Bereichen angesiedelt. Das ist jedoch nicht gleichbedeutend damit, dass die Möglichkeiten der österreichischen Unternehmen in diesen Feldern nicht unterstützt werden sollten".

Und Abraham weiter: "Weil die österreichischen Industriebetriebe überwiegend in anderen Sparten angesiedelt sind - und teilweise Weltmarktführer in Nischen sind - fällt es der österreichischen Regierung zu, für diese Sparten Kristallisationskerne zu schaffen. Die Schaffung dieser Kristallisationskerne wird am besten so bewerkstelligt, dass damit gleichzeitig die Möglichkeiten ausgereizt werden, die das europäische Recht den EU-Mitgliedsstaaten zur Verbesserung der Standortqualifikation einräumt".

Abraham fordert die Bündelung der Förderungs-, Forschungs- und Ausbildungsprogramme. Eine weitere Forderung des Zentralbetriebsrates ist der Verbleib der Verfügungsgewalt über die strategischen Unternehmenskerne im Bereich der ÖIAG in Österreich, weil es um Investitionsentscheidungen für die Zukunft geht.

Abschließend verlangte Abraham die Abkehr vom defensiven Abverkaufskonzept. Abraham: "Die Regierung muss die größtmögliche Wertschöpfung in Österreich sichern, die zukunftsträchtigen Wertschöpfungsbereiche sind von einem forcierten Ausbau von Forschung, Entwicklung und der Qualifikation der Arbeitnehmer zu flankieren".

ÖGB, 22. März 2002
Nr. 255

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