Verzetnitsch: "Standortdebatte wird für Sozialabbau missbraucht"

ÖGB fordert Investitionen in Infrastruktur und Bildung, um den wirtschaftlichen Forschritt zu sichern

Stoob (ÖGB): "Die Qualität des Standortes Österreichs ist sehr gut. Angesichts der Maßnahmen der vergangenen zwei Jahre und der aktuellen Diskussionen mache ich mir allerdings Sorgen, dass diese gute Standortqualität allmählich verloren geht." Das erklärte ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch bei der ÖGB-Konferenz zur Zukunft der Arbeitswelt, die heute, Freitag, in Stoob stattfindet. Das Thema:
Die Sicherung des Wirtschaftsstandortes. ++++

Weitere Deregulierungen und der damit verbundene Sozialabbau seien das falsche Rezept. Sie erhöhen für den Wirtschaftsstandort nur das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen wie Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Unruhen. "Wir fordern von der Regierung, dass sie Infrastrukturprojekte vorzieht und massiv in die Aus- und Weiterbildung investiert", erklärt ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch. Die große Stärke des Wirtschaftsstandorts Österreich sei die hohe Qualität der Arbeitskräfte: "Das müssen wir weiter fördern, anstatt krankzusparen." Verzetnitsch verwies auf EU-Studien, die belegen, dass durch großzügige Investitionen in Infrastruktur und Bildung in den vergangenen Jahren am europäischen Arbeitsmarkt zusätzlich zwei Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Für die Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes sei auch eine Stabilität im Sozial- und Wirtschaftsbereich ausschlaggebend. Das gewährleiste sozialen Frieden und sei ein wichtiger Faktor der Produktivität und der Binnennachfrage.

Zur Arbeitszeitdiskussion erklärte der ÖGB-Präsident: "Das ist eine 'Kunstdiskussion'. Das Arbeitszeitgesetz bietet den Unternehmern -wie zahlreiche Beispiele zeigen - genügend Spielraum für Arbeitszeitverhandlungen mit der Belegschaft." Eine Verlängerung der Arbeitszeit würde außerdem keinen einzigen Arbeitsplatz bringen, sondern zahlreiche kosten.

Speziell zu den jüngsten Forderungen nach einer Sonntagsöffnung im Handel meint Verzetnitsch: "Dadurch werden die Umsätze nicht erhöht. Die Konsumenten haben nicht mehr Geld zur Verfügung, nur weil am Sonntag geöffnet ist." Eine derartige Maßnahme würde vielmehr einen Damm brechen und die Sonn- und Feiertagsarbeit für viele andere Branchen öffnen. "Eine Politik, die nur einspart, dereguliert und privatisiert, investiert nicht in die Zukunft, sondern begleitet den Abstieg eines Standortes", fasst Verzetnitsch zusammen.

Der ÖGB fordert stattdessen:
Investitionen in die Aus- und Weiterbildung
Investitionen in die Infrastruktur
Eine EU-Erweiterung mit sozialer- und wirtschaftlicher Ausgewogenheit.(ak)

ÖGB, 22. März 2002 Nr. 254

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