WWF: "Aktuelle Hochwasserkatastrophen in Österreich sind hausgemacht."

"Begradigte Flüsse wirken wie Autobahnen." Forderung nach Renaturierung.

Wien (OTS) - Die Hochwasser in Österreich sind selbst für Experten überraschend schnell gekommen. Das liegt nach Meinung des World Wide Fund for Nature (WWF) am hohen Verbauungsgrad der Flüsse. "Durch die Begradigung wurden die österreichischen Flüsse praktisch zu Autobahnen", erklärt Mag. Markus Schneidergruber, Wasserexperte des WWF. "Es braucht viel weniger Regen als früher, damit es zu Hochwasser und Überschwemmungen kommt. Durch die Verbauung natürlicher Überschwemmungsflächen steigen unsere Flüsse früher und schneller." Die Naturschützer fordern daher dringend Renaturierungsmaßnahmen. "Gerade in der freien Landschaft sind frei fließende Flüsse der beste Schutz vor überraschendem Hochwasser", so Schneidergruber.

30.000 km Flüsse verbaut, 400.000 ha Überflutungsraum verloren:
Die letzten 50 Jahre. Ein Rückblick auf die letzten 50 Jahre erklärt die heutige Situation. Geschätzte 30.000 Kilometer Flüsse wurden seit 1945 verbaut. Gleichzeitig wurden den Flüssen geschätzte 400.000 Hektar Überflutungsraum genommen - das sind 5% der österreichischen Bundesfläche. Diese 400.000 Hektar wirkten als natürlicher Hochwasserschutz. Ihre Verbauung trug dazu bei, dass die Hochwasser heutzutage so überraschend hoch und schnell kommen.

84.000 Hektar zusätzlich für unsere Flüsse. Dringende Renaturierungsmaßnahmen. Eine WWF-Studie kam bereits 1999 zu dem Ergebnis, dass das 100.000km lange österreichische Fließgewässernetz mindestens 84.000 Hektar zusätzlichen Überflutungsraum braucht. "Diese Forderung ist nach wie vor aufrecht und wird durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie zusätzlich unterstützt", sagt Schneidergruber. "Die Wasserrahmenrichtlinie schreibt nämlich vor, dass bis 2015 die Flüsse in "ökologisch gutem Zustand" sein müssen." Damit ist in Österreich dringender Handlungsbedarf gegeben, denn Österreich hat einen der höchsten Verbauungsgrade in der EU. "Es ist höchste Zeit für strukturierte, geplante Renaturierung", so Schneidergruber.

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Mag. Markus Schneidergruber
WWF-Wasserexperte
Tel.: 0676/834 88 239

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