Nachhaltigkeit stärkt Wettbewerbsfähigkeit

Wirtschaftskammer erarbeitet strategische Position zur Nachhaltigkeit

Jennersdorf (PWK200) - In wirtschaftlichen und politischen Diskussionen wird immer häufiger der Begriff "Nachhaltigkeit" gebraucht, ohne die Grundlagen dafür genau zu benennen. Die Wirtschaftskammer Österreich hat es sich deshalb vorgenommen, ihre Position zu diesem Thema konkret zu definieren. Ein entsprechendes Papier soll bis zum Sommer vorliegen.

Bei ihren Überlegungen geht die WKÖ von einer Ausgewogenheit der drei Nachhaltigkeitssäulen "wirtschaftlicher Erfolg", "Umweltqualität" und "soziale Sicherheit" aus. Wenn all diese Ziele ausgewogen berücksichtigt werden, erscheint eine "win-win-win-Konstellation" möglich.

Es zeigt sich in vielen Beispielen, dass die Unternehmen durch nachhaltige Maßnahmen unmittelbar profitieren. Andrerseits sind vorbildliche Umweltmaßnahmen, auch wenn sie gleichzeitig sozial verträglich sind, nutzlos, wenn sie unfinanzierbar sind, erklärte der Leiter der Abteilung für Umwelt-, Energie- und Infrastrukturpolitik in der WKÖ, Doz. Stephan Schwarzer, am Freitag im Rahmen einer Tagung des Umweltpolitischen Komitees der Wirtschaftskammern Österreichs in Jennersdorf (Südburgenland). In diesem Gremium, das zwei Mal pro Jahr zusammentritt und dem die umweltpolitischen Referenten aller Landeskammern und der WKÖ angehören, werden Fragen von grundsätzlicher Bedeutung diskutiert und Stellungnahmen koordiniert.

Ein gutes Beispiel dafür, wie Wettbewerbsfähigkeit durch Nachhaltigkeit gestärkt werden kann, ist die Firma Lenzing Lyocell im Ortsgebiet von Jennersdorf, die durch ihre innovative Technologie in der Textilerzeugung den Europäischen Umweltpreis der Industrie gewonnen hat.

"Basis für eine nachhaltige Entwicklung ist eine gesunde Wirtschaft", führte Schwarzer aus. Sowohl in Österreich als auch auf europäischer Ebene befinden sich derzeit Nachhaltigkeitsstrategien in Ausarbeitung, die auch konkrete Umsetzungsvorschläge beinhalten. "Dadurch ergeben sich neue, interessante Möglichkeiten der Vernetzung, von denen Betriebe und Behörden profitieren".

Österreich will seine Leistungen im Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsbereich auch bei der kommenden Weltkonferenz zur Nachhaltigkeit in Johannesburg präsentieren. Firmen haben dabei die Möglichkeit, durch Sponsoring an Projekten mitzuwirken und im Rahmen der die Konferenz begleitenden Ausstellung ihre Leistungen darzustellen (nähere Infos unter up@wko.at).

"Wichtig ist es, über den Tellerrand hinauszuschauen und alle wesentlichen Aspekte, nicht nur die ökologischen, miteinzubeziehen", stellte Schwarzer fest. Österreichs Wirtschaft sei international gesehen schon sehr weit, dementsprechend hat sich ihr Image verbessert. "Emissionsvermeidung, Ressourceneinsparung und geschlossene Kreisläufe sind Standard in den meisten Betrieben. Die Wirtschaft kann schon lange nicht mehr als Verursacher von Nicht-Nachhaltigkeit dargestellt werden".

Gemeinsame Zukunft erfordere gemeinsame Verantwortung. So sind etwa einer reinen "Herstellerverantwortung" insofern Grenzen gesetzt, als die Wirtschaft bemüht ist, die Bedürfnisse der Konsumenten zu erfüllen. "Die Nachfrage bestimmt überwiegend das Angebot. Daher können Unternehmen oft nur sehr beschränkt auf zB Kaufentscheidung, Anwendung, Ge- und Verbrauch sowie die Entsorgung von Produkten Einfluss nehmen", erläuterte Andrea Stockinger, Expertin der Umweltpolitischen Abteilung für Fragen der Nachhaltigkeit, die Linie der WKÖ. Deshalb brauche die Wirtschaft nachhaltigkeitsbewusste Konsumenten und Bürger, die "nachhaltige" Angebote nachfragen. Dafür bedürfe es Bewusstseinsbildung in Form von "Sustainability Leadership" sowohl in der Politik als auch in den Unternehmen ("Chefsache").

In einer sozialparterschaftlich abgestimmten Vorgangsweise sollte sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene die Auswahl an nachhaltigkeitsrelevanten Politikinstrumenten erweitert und besser kombiniert werden. "In der Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialpolitik sind freiwillige Ansätze in der Umsetzung oft zielführender als gesetzliche Vorschriften". Die Bürokratie sollte nicht mehr Ressourcen verschlingen als die eigentlichen Maßnahmen, die der Nachhaltigkeit dienen, sprach sich Stockinger für "schlanke Gesetzgebung und freiwillige Ansätze" aus. (hp)

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