Sorgenkind Kinder- und Jugendliteratur

Wien, (OTS) Ein eher kritisches Bild über den aktuellen Zustand der heimischen Kinder- und Jugendliteratur zeichnet Karin Haller, Leiterin des Institutes für Jugendliteratur, im Gespräch mit der Rathaus Korrespondenz anlässlich der derzeit laufenden Kinderliteraturtage im Wiener Künstlerhaus. Die weltweite Euphorie über Bucherfolge wie "Harry Potter" sei zwar grundsätzlich im Sinne des Anliegens positiv zu bewerten, so Haller, die österreichische Marktsituation in diesem Literatursegment habe sich jedoch in den letzten Jahren merklich verschlechtert. Vor allem eine erodierende Verlagslandschaft wirke sich für die Kinder- und Jugendliteratur negativ aus, so Haller. Als Indiz nennt sie dafür das Faktum, dass im Frühjahr 2001 nur mehr 10 Verlage mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendbuch um entsprechende Verlagsförderung angesucht hätten. Auch die Neu- und Erstauflagen spielen sich im unteren Segment ab: So sind im Herbst 1999 126 Titel erschienen, im Herbst 2000 waren es 104 Buchtitel, im Frühjahr 2001 folgten 135.

Weiters merkt Haller kritisch an, dass die wissenschaftliche wie auch die öffentlich-mediale Auseinandersetzung mit dem Thema hierzulande erst in den Kinderschuhen stecke. "Sieht man sich etwa die prominent platzierten wie kontinuierlich erscheinenden Kinder-und Jugendbuchrezensionen in der "FAZ", in der "Süddeutschen Zeitung" oder in der "Zeit" an, so merkt man erst, wie dürftig die Auseinandersetzung hier in Österreich ist", meint sie.
Auch im wissenschaftlichen Bereich sei die Situation nicht rosig. "Abgesehen von einigen wenigen Wissenschaftlern gibt es auf den Hochschulen keinen adäquaten literaturwissenschaftlichen Diskurs zum Thema", merkt Haller an. Im Vergleich hierzu existieren etwa in Deutschland mehrere Ausbildungsstätten auf universitärem Niveau.

Die "große Zeit" der österreichischen Kinder- und Jugendliteratur waren die sechziger und siebziger Jahre, in denen Österreich eine Vorreiterrolle einnahm. Als einen wesentlichen Grund, warum diese Entwicklung nicht fortgesetzt werden konnte, nennt Haller die letztendlich erfolglosen Bemühungen der meisten österreichischen Verlage, im gesamten deutschsprachigen Raum dauerhaft zu punkten.

Vor allem die Förderung von guter und interessanter Kinder- und Jugendliteratur jenseits des gängigen Mainstreams bezeichnet Karin Haller als großes Problem. "So positiv die Kritik auch auf originelle Neuerscheinungen reagiert, in der Öffentlichkeit werden sie leider viel zu selten wahrgenommen", beschreibt sie die Situation. Und weiter: "Die diversen Förderungspreise der öffentlichen Hand, wie die erst jüngst vergebenen Kinder- und Jugendbuchpreise der Stadt Wien, sind zwar sehr notwendig und positiv, ein kontinuierliches öffentliches Gespräch über Kinder- und Jugendliteratur können sie natürlich nicht ersetzen."

Einen guten Überblick über die Fülle an Kinder- und Jugendliteratur bieten die noch bis 20. März laufenden Kinderliteraturtage im Wiener Künstlerhaus "Literatur für junge LeserInnen" (täglich 9-18 Uhr, am 20.3.: bis 13 Uhr; Programm:
www.kidlit.nwy.at/).

Wertvolle Information über Kinder- und Jugendliteratur bietet das Institut für Jugendliteratur (4., Mayerhofgasse 6, T: 505 03 59, e-Mail: kidlit@netway.at, www.kidlit.nwy.at/).
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