Oberösterreichische Nachrichten, Leitartikel vom 15. März 2002: "Jugoslawien" kommt wieder Ä Serbien und Montenegro machen dem Zerfall ein Ende

Von Friedrich Gruber

Serbien und die Kleinrepublik Montenegro haben nach jahrelangen Zerfallstendenzen eine Vereinbarung für eine RUnion Serbien und Montenegron geschlossen. Insofern ist der Titel ,Jugoslawien kommt wiederS faktisch falsch A aber inhaltlich richtig.
Denn mit der Neu-Unionierung von Serbien und Montenegro soll signalisiert werden, dass der jahrelange blutige Zerfall des ehemaligen Jugoslawien gestoppt werden soll. Viel konnte freilich ohnehin nicht mehr zerfallen, seit der Kosovo ein von Serbien isoliertes internationales Mandatsgebiet ist.
Deshalb wäre die vorerst nur auf dem Papier stehende Union Serbien und Montenegro auch ein Signal dafür, dass es auf dem Balkan wieder in die andere Richtung geht: in eine stärkere Integration und Partnerschaft der
jugoslawischen Bruderrepubliken.
Das Modell dafür muss freilich noch gefunden werden, weil die neue Union Serbiens und Montenegros laut Präsident Kostunica
weder eine
Konföderation noch ein lockeres Staatenbündnis ist, sondern etwas ganz Neues3. Nach außen hin tritt die Union als Einheit auf, worauf die EU großen Wert gelegt hat. Serbien und Montenegro werden aber ihre jeweiligen Wirtschaftsreformen fortsetzen und vorerst ihre jeweiligen Währungen (Dinar bzw. Euro!) beibehalten. Dass Montenegro den Euro als Währung hat, weist auf das mittelfristige Ziel der jugoslawischen Integration hin: EU-Beitritt.
Dass dies keine Illusion ist, zeigt sich an Slowenien, das vor Ungarn der reifste aller osteuropäischen EU-Kandidaten ist. Kroatien ist mit einem Kooperationsvertrag bereits im Vorhof für EU-Kandidaten. Die jugoslawischen Republiken sind allesamt noch vor der Türkei in der EU, die damit auf dem unruhigen Balkan ihre epochale Frieden stiftende Mission erfüllen könnte.

An diesem Punkt erinnern manche daran, dass der Zerfall des alten Jugoslawien in Slowenien begonnen hat. Jene, die dem sozialistischen Jugoslawien nachweinen, kritisieren, dass die völkerrechtliche Anerkennung Sloweniens und Kroatiens durch Österreich und Deutschland (der damaligen Außenminister Mock und Genscher) ein Anstoß für diesen Zerfall war. Dabei negieren sie, dass die Unabhängigkeitserklärungen korrekt auf dem Boden der damaligen jugoslawischen Verfassung standen, nämlich nach Volksabstimmungen erfolgten.
Der innere Zusammenhalt der uSozialistischen Föderativen Republik Jugo-
slawienß begann sich schon nach dem Tod Titos aufzulösen. Wirtschaftspolitisch hatte die Föderative keine Zukunft mehr. Auch der jugoslawische Weg war eine sozialistische Sackgasse, aus der Slowenien mit einer neuen Föderationsform einen Ausweg suchte. Einen Ausweg suchte auch Milosevic in Belgrad, indem er unter nationalserbischer Dominanz mit einem sozialistischen Zentralstaat durch die Mauer am Ende der Sackgasse wollte.

Dieses Jugoslawien, das kein Vielvölkerstaat mehr war, sondern ein kommunistischer Druckkessel, musste zerfallen 6 um einer neuen, gutnachbarlichen Partnerschaft und Föderation auf dem Weg ins

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