"Presse"-Kommentar: Die österreichische Lösung (von Andreas Unterberger)

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"Presse"-Kommentar: Die österreichische Lösung (von Andreas Unterberger)

Ausgabe vom 15. März 2002

Wien (OTS). Gleich drei Landesregierungen nahmen an der
unsäglichen
Pressekonferenz teil. Jeder Satz klang so, als wäre er von der zweiten Garnitur der Kronenzeitung diktiert worden (wer auch immer dort die erste sein mag).
Die Weisheiten kulminierten im Satz des Wiener
Finanz(!)stadtrats,
daß Österreichs Wasserkraft nicht aus der Hand gegeben werden dürfe:
Als ob der Verkauf von Strom ein vaterlandsschädigendes Geschäft wäre. Vielleicht sollte man Herrn Rieder doch noch einen Grundkurs in Ökonomie zahlen. Da erregen sich Wiener, niederösterreichische und burgenländische Provinzfürsten, wie furchtbar es sei, Wasserkraftstrom zu exportieren und gleichzeitig Atomstrom zu importieren - obwohl sie selber es sind, die diesen Strom importieren.
Was sich hinter dem Nebelvorhang der Landeselektriker verbirgt:
Sie
wollen die Verbundgesellschaft zwingen, ihnen billig jenen Strom zu verkaufen, den der Verbund im Ausland mit schönem Gewinn für Republik und Aktionäre absetzt. Scheitert dieses Geschäft der Länder zu Lasten Dritter, dann steht ihnen eine bittere Zukunft bevor. In Wahrheit wissen die kleinen Landesfirmen längst, daß sie alleine nicht zukunftsfähig sind. Sie existieren nur noch wegen der Großmannssucht einiger Landeshauptleute, die von "ihrem" Eigentum nicht lassen wollen und eine echte Fusion verhindern.
Die patriotisch-umweltrhetorische Scheinheiligkeit der Länder schmerzt dennoch. Denn sie ist eine Zumutung an die Intelligenz.
Die Bürger können das Ganze mit weinenden und lachenden Augen beobachten: Traurig müssen Herr und Frau Österreicher als öffentliche Eigentümer sein, weil durch die intriganten Kämpfe der Strombosse Milliarden verbrannt worden sind. Erfreulich ist der Zwist für die Konsumenten und alle jene, die am Wirtschaftsstandort Österreich interessiert sind.
Denn nun steigt die Chance, daß der Verbund bald seine billigen Angebote noch massiver an die Konsumenten richten wird: Dann beginnt endlich der von der EU initiierte Wettbewerb. Dann wird Österreich nicht mehr einen der teuersten Strompreise haben. Das täte Arbeitsplätzen und Kaufkraft gut.

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