WirtschaftsBlatt-Kommentar Das Gwirks mit den Freien Dienstnehmern von Daniela Friedinger

Wien (OTS) - Hans Dichand tut es, Monika Lindner tut es und zahlreiche andere Unternehmen ebenso. Branchen und Medien, Marktforscher und Call Center zählen fix auf Freie. Jetzt geraten solche Betriebe geradezu in Panik, weil freie Arbeitsverhältnisse abgeschafft werden sollen. Doch diese Erstreaktion könnte sich als Überreaktion entpuppen - vorausgesetzt, der Gesetzgeber hört auf, wie üblich im Graubereich zwischen Selbstständigen und Nichtselbstständigen zu pfuschen. Denn gibt es vernünftige Übergangsregelungen, können Arbeitgeber wie Arbeitnehmer Vorteile aus der Abschaffung der Zwitterform ziehen: Für die einen fällt das Damoklesschwert weg, dass Dienstnehmer irgendwann vor das Arbeitsgericht ziehen. Und dem Unternehmen im Falle einer Einstufung als echte Angestellte saftige Rückzahlungen blühen. Der Arbeitnehmer wiederum kann sich den Klagsweg ersparen und möglicherweise trotzdem in den Genuss des 13. und 14. Monatsgehalts und anderer Benefits eines Angestellten kommen. Allerdings müsste das Finanzministerium, das die Pläne unter dem Stichwort Verwaltungsvereinfachung ausheckt, endlich klarstellen, wohin die Reise geht: Soll das Gros der 22.000 Freien zum Stichtag X plötzlich in reguläre Beschäftigung übergeführt werden oder tendiert man zur Einstufung der meisten als neue Selbstständige? Beide Varianten bergen Gefahren: Die erste verursacht Mehrkosten, die die Unternehmen nicht einfach schlucken werden. Die Folge wären ehemalige Freie, die sich dann in der Arbeitslosenstatistik wiederfinden. Und so Verstimmte könnten erst recht die Gerichte anrufen, um in der Vergangenheit vorenthaltene Ansprüche zu erwirken. Die Variante neue Selbstständige würde zwar die Betriebe entlasten und, sofern die Betroffenen Gewerbescheine lösen, die Gründerszene beleben. Doch die soziale Absicherung dieser Mini-Selbstständigen wäre gänzlich dahin, und das kann wohl nicht Sinn der Gesetzesänderung sein. Die Hoffnung, dass eine für alle vorteilhafte Lösung mit Übergangsregelungen herauskommt, hält sich in Grenzen. So hat die derzeit gültige Bestimmung eine unrühmliche Vorgeschichte, die mit der Werkvertragsregelung 1996 ihren Anfang nahm. Die Aufhebung durch das Höchstgericht im Jahr darauf und Skurrilitäten wie die Lex Mediaprint, die Ausnahmen für Kolporteure bewirkte, sind noch in bester Erinnerung. (Schluss) df

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel. 91919-305

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/OTS