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Klagenfurt (OTS) - Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Die Ware Mensch

Utl: Ausgabe vom 13. März 2002=

Worte verzaubern. Ebenso wie sie verschleiern. Wie
sie täuschen. Und über das hinweghuschen, was nicht ist - aber sein sollte. Beispiel: Integrationspaket mit dem Herzstück Saisonarbeiter. Was als Integration verkauft wird, ist nicht mehr als ein Gastspiel. Ein Gastspiel auf einer Ebene, die das Wort Ungastlichkeit verdient:
alleine und ausschließlich auf Arbeitsleistung basierend. Just auf jener Arbeitsleistung, die den heimischen Arbeitskräften ein Haxerl stellt - jenes der empfindlichen, weil existenzbedrohenden Art. Womit sich das, was als faires Paket gefeiert wird, auf ein unfaires Spiel mit der Ware Mensch reduziert...
Das Fremdenpaket macht dem Volk seine Ohmacht deutlich: Die Ohnmacht vor der Übermacht Wirtschaft. Ihr nämlich bleibt das Vorrecht zu jubeln. Aufzuatmen angesichts jenes Tores, das die Regierung aufgestoßen hat und billige Arbeitskräfte wie auf dem Fließband hereinpurzeln lässt. Arbeitskräfte, die nicht mehr verlangen dürfen, als zweimal sechs Monate (so steht es in der Vorlage) den kollektivvertraglich festgeschriebenen Lohn; die weder Recht auf Überstundenbezahlung noch ein Recht auf eine Wiederkehr nach Österreich haben. Was also großartig aufmucken? Hauptsache: zweimal sechs Monate ein bisschen Geld verdienen.
Österreichs weniger qualifiziertes Arbeitsheer? Das wird irgendwann in die Knie gezwungen. Wird weich geklopft. Und wird mit Mini-Lohnperspektiven um einen Job bitten. Wie man das nennt? Vielleicht Lohndumping der "Wende"-Art.

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