WirtschaftsBlatt-Kommentar:Chronisten mit Meisterprüfung - von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Der Tod der "Zeit"-Herausgeberin Marion Dönhoff ruft in Erinnerung, dass in der Medienbranche nicht nur Deutschlands, sondern auch Österreichs einige Persönlichkeiten ein Menschenalter lang die Medienszene prägten. Hugo Portisch gehört dazu, der vor kurzem den 75er feierte; Hans Dichand, der im Alter von 81 noch an der Spitze des Medienmammuts "Kronen Zeitung" steht.

Ab und zu werden Fritz Csoklich und Gerd Bacher herbeigerufen, weil Weise und Mahner gebraucht werden. Auch "Presse"-Galionsfigur Otto Schulmeister war bis zu seinem Tod im Vorjahr eine glaubwürdige Adresse. In der Medienbranche hat die Nachkriegszeit mit erstaunlich langer Verzögerung gedauert, aber jetzt erreicht sie ihr biologisches Ende. Im "Bericht zur Lage des Journalismus in Österreich", den das Salzburger Institut für Kommunikationswissenschaft jährlich herausgibt, ist über die Gegenwart wenig Positives zu lesen: "Die Voraussetzungen für journalistische Qualität sind deutlich ungünstiger geworden." Konzentrationsprozesse reduzieren die Möglichkeit der Qualitätssicherung. Konjunkturdelle und Rotstiftpolitik der Regierung erledigten den Rest die Medien haben kein gutes Jahr hinter sich.

Aber ein goldenes Zeitalter hat es nie gegeben. Die elitäre Wochenzeitung "Die Zeit" hatte genauso ihre Krisen wie bei uns "Kurier", "Presse" und "Standard". Zahlreiche Zeitungstitel gibt es nicht mehr, nur wenige kamen dazu. Im Rückblick lässt sich feststellen: Es waren immer einzelne Personen, die etwas weitergebracht haben viel Positives, manchmal freilich auch Zweifelhaftes.

Auf den Staat und die Politiker war hingegen selten Verlass. Die grosse Rundfunkreform der Sechzigerjahre wurde den Parteien abgetrotzt. Mit der Fernsehprivatisierung kam Österreich hoffnungslos zu spät. Kartellrechtliche Schutzmechanismen gegen Marktbeherrscher wurden immer erst erfunden, wenn die Monopole schon da waren: Fünf Jahre nach Bildung des Mediaprint-Konzerns, jetzt wiederum zwei Jahre nach der Entstehung eines Kartells von 13 Zeitschriften der "Formil"-Gruppe. Medienpolitik ist in den Augen der Politiker das, was ihnen nützt.

Der mediale Umbruch ist längst in Gang, wurde auch durch die Technisierung erzwungen. Jetzt aber wird es erst recht auf Einzelpersonen ankommen Medien-Persönlichkeiten, nicht bloss Macher... (Schluss) was

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