Molterer zeichnet Jane Goodall und Erwin Kräutler mit Konrad-Lorenz- Preis aus

Wien (OTS) - Umwelt- und Landwirtschaftsminister Mag. Wilhelm Molterer hat die englische Verhaltensforscherin Dr. Jane Goodall und den in Brasilien tätigen österreichischen Bischof DDDr. Erwin Kräutler gestern, Montag, abend mit dem Konrad-Lorenz-Preis 2002 ausgezeichnet. "Die beiden Preisträger vertreten auf mutige, hervorragende Weise die Prinzipien der Nachhaltigkeit. Sie stehen für die Symbiose von Lebensraum und Mensch, und sie sind das Gewissen, das uns mahnt, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen", sagte Molterer in seinen Gratulationsworten.

Jane Goodall hat sich weltweit einen Namen als Schimpansenforscherin in Tansania gemacht. Ihr bahnbrechenden Erkenntnisse über das Zusammenleben dieser Tiere hat auf wissenschaftlicher Ebene das Verhältnis zwischen dem Menschen und seinen nächsten Verwandten völlig neu definiert. Heute engagiert sich Goodall weltweit für die Erhaltung natürlicher Lebensräume, für bessere Lebensverhältnisse benachteiligter Menschen in Afrika und für die Steigerung des Umweltbewusstseins Jugendlicher.

1953 hat Goodall ihr Wirken in Afrika begonnen, und zwar als Assistentin des berühmten Anthropologen und Paläontologen Louis Leakey. Während ihre Wegbegleiterin Diane Fossey das Leben der Gorillas studierte, widmete sich Goodall frei lebenden Schimpansen. Sie fand heraus, wie diese Tiere Werkzeuge benutzten, wie sie lernen und wie sie Gefühle wie Liebe oder Aggressivität entwickeln. "Wir Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen mit Persönlichkeit", fasste Goodall gestern in ihren Dankesworten ihre Erkenntnisse zusammen.

Das von Goodall eingerichtete internationale Forschungszentrum im Gombe-Nationalpark in Tansania führt heute ihre Forschungsarbeit fort. Indessen widmet sie selbst sich Entwicklungsprogrammen für ärmere Bevölkerungsgruppen in Tansania mit den Schwerpunkten Gesundheit, Landwirtschaft und Frauenarbeit. Das von ihr ins Leben gerufene Netzwerk "Roots and Shoots" (= Wurzeln und Sprossen) hat sich zum Ziel gesetzt, Jugendlichen den Umweltschutz nahe zu bringen. 4.000 Gruppen in 70 Ländern arbeiten mit. "Trotzdem ist diese Arbeit nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Zerstörung des Regenwalds, Schlägerungen um des Profits willen und die ungerechte Güterverteilung in Afrika halten an", so Goodalls bitteres Resümee.

Die zweite Heimat des gebürtigen Vorarlbergers Erwin Kräutler liegt in Brasilien. Seit mehr als 30 Jahren gilt sein Einsatz den Lebensrechten und Lebensbedingungen der indianischen Urbevölkerung. Als Bischof der Diözese Xingu und als Präsident des Indianermissionsrates der brasilianischen Bischofskonferenz trat und tritt Kräutler gegen soziale Missstände, gegen Ausbeutung und für die Erhaltung des Regenwalds als Lebensraum für die indianische Urbevölkerung ein. Mehrmals wurde er für sein Engagement bedroht und verfolgt.

Trotz vieler Erfolge, unter anderem der Verankerung der Indio-Rechte in der brasilianischen Verfassung, sieht Kräutler seine Mission noch lange nicht abgeschlossen. "Ich werde weiter meine Stimme erheben", bekräftigte er in seinen Dankesworten. "Weil Brasilien seine Auslandsschulden abtragen muss, wird zuerst im Bildungs-, Sozial-und Gesundheitswesen gespart. Vor den Toren von Spitälern sterben Menschen, weil es dort keinen Platz für sie gibt." Die Indianerbehörde werde finanziell ausgehungert, die Markierung der angestammten Indianergebiete stehe vielerorts noch immer aus, und die Landreform werde oft durch kriminelle Machenschaften verhindert, kritisierte der Bischof. Der einzige Weg sei jener von "Solidarität und Liebe". Kräutler sprach von der "Globalisierung der Liebe":
"Weder Gewalt noch Krieg haben die Welt besser gemacht. Der Einsatz von Waffen ist unberechtigt. Krieg sät Tod und Elend und schreit immer nach Vergeltung."

"Nachhaltige Entwicklung ohne gerechte Verteilung der Güter ist nicht möglich", unterstrich auch Molterer. Es sei Aufgabe der Politik, der unumkehrbaren Globalisierung jenen Rahmen zu geben, der Nachhaltigkeit im ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Sinne sicherstelle. Puncto gerechter Entwicklungshilfe sei auch Österreich angesprochen. "Die Politik darf vor der Globalisierung nicht die Segel streichen. Im Gegenteil: Sie muss selbst die Segel setzen", lautete das Resümee des Ministers.

Der Konrad-Lorenz-Preis ist übrigens mit 21.800 Euro dotiert und geht je zur Hälfte an die beiden Preisträger.

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Lebensläufe der beiden Preisträger sowie Fotos von der Preisverleihung sind in der Pressestelle des Umweltministeriums erhältlich (Papierversion und elektronisch). Telefon: 01 / 51522 -5083. E-Mail: franz.schifflhuber@bmlfuw.gv.at

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