Fonds Soziales Wien präsentiert Suchtmittelstudie

Befragung der Wiener Bevölkerung zum Thema Drogen und Drogenpolitik

Wien, (OTS) Der Fonds Soziales Wien (FSW) präsentierte am Dienstag, im Rahmen des Mediengesprächs des Wiener Bürgermeisters eine Studie des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES). Es handelt sich um eine repräsentativen Befragung der Wiener Bevölkerung zum Thema Drogen und Drogenpolitik. Die Erhebung erfolgte von Oktober bis November 2001 in Form mündlicher Interviews bei einer Gesamtstichprobe von 650 Personen ab 15 Jahren. Diese Studie wird seit 1993 alle zwei Jahre durchgeführt. Sie stellt daher eine kontinuierliche Untersuchung über den Konsum von, und die Einstellung zu Drogen dar und ist in Österreich die einzige regelmäßig durchgeführte Untersuchung im Drogenbereich.

Details der Studie

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie, die von Dr. Karin Schulze (FSW) und Dr. Gert Feistritzer (IFES) vorgestellt wurde:

o Im Zeitraum von 1993 bis 2001 kann - mit Ausnahme von Cannabis
- ein genereller Anstieg des Drogenkonsums nicht nachgewiesen werden.
So haben 14 Prozent der Befragten angegeben, Hanfprodukte "irgendwann schon einmal" eingenommen zu haben, 1999 waren es
11 Prozent, 1997 waren es 12 Prozent, 1995 sieben Prozent und 1993 fünf Prozent.
Bei Ecstasy gab ein Prozent der Befragten an, mit dieser Droge Erfahrung gemacht zu haben, dieses Ergebnis lag auch1999 vor. 1997 waren dies noch zwei Prozent. In den Untersuchungsjahren 1995 und 1993 wurde Ecstasy nicht erhoben.
Amphetamine konsumierte ein Prozent - das gleiche Ergebnis wie bei der Befragung 1999. 1997 gaben noch zwei Prozent an, Amphetamine bereits eingenommen zu haben. Erfahrungen mit
Opiaten machte ein Prozent der Befragten, das gleiche Ergebnis wie 1999. Im Jahr 1997 lag das Ergebnis bei ein bis zwei
Prozent, 1995 und 1993 bei einem Prozent.
Kokain haben ein Prozent der Befragten schon einmal
eingenommen, 1999 gaben ein bis zwei Prozent an, mit Kokain Erfahrung gemacht zu haben, 1997 lag die Marke bei einem
Prozent, ebenso wie in den Jahren 1995 und 1993.
o Breiter Konsens besteht bei den Wienerinnen und Wienern
darüber, dass man zwar am generellen Drogenverbot festhalten, aber keine Kriminalisierung von Drogenabhängigen vornehmen
soll, um sie damit nicht noch stärker an den sozialen Rand zu drängen. 78 Prozent der Stadtbevölkerung sind von der Richtigkeit dieser Politik überzeugt. Damit ist zugleich der bisher höchste Zustimmungswert zur Wiener Drogenpolitik erreicht. Gegenüber dem Jahr 1999 beträgt der Zustimmungsanstieg zu einer derartigen Politik rund 10 Prozentpunkte. Damit korrespondierend hält nach wie vor nur
eine Minderheit Haftstrafen wegen Drogenkonsum für sinnvoll. Lediglich 20 Prozent können dem etwas abgewinnen.
o Ebenfalls eine hohe Übereinstimmung besteht in der Wiener Bevölkerung darüber, dass sowohl intensivierte Präventionsmaßnahmen bei Kindern und Jugendlichen als auch ein weiterer Ausbau der medizinisch-therapeutischen Hilfen bzw. der Beratungsstellen für Drogenabhängige Priorität haben sollen. Rund neun von zehn Befragten votieren dafür, diese beiden drogenpolitischen Schwerpunkte beizubehalten bzw. noch weiter auszubauen.
o Die Errichtung einer Drogenberatungsstelle im näheren
Wohnumfeld würde knapp die Hälfte (47 Prozent) der Wienerinnen und Wiener nicht stören. Innerhalb der letzten zwei Jahre ist diese Akzeptanz um 7 Prozentpunkte und damit deutlich angestiegen.
o In Bezug auf die Sinnhaftigkeit eines verstärkten Polizeieinsatzes hält ein Drittel der Bevölkerung diesen Weg für nicht sinnvoll (Noten 4 oder 5). Weitere 25 Prozent signalisieren mit der Note 3 ebenfalls schon größere Vorbehalte.

Alkohol ist Droge Nummer 1

Die IFES-Studie widmete dem Thema Alkohol breiten Raum. Für Wiens Gesundheitsstadträtin Prim. Dr. Elisabeth Pittermann-Höcker ist das präsentierte Ergebnis mehr als bedenklich: "Alkohol stellt mit Abstand das größte Drogenproblem in unserer Gesellschaft dar." So hat sich an den Trinkgewohnheiten der Wienerinnen und Wiener in Summe im Zeitverlauf nur wenig verändert. Innerhalb der letzten sieben Jahre ist die durchschnittliche Konsumhäufigkeit alkoholischer Getränke weitgehend konstant geblieben. 36 Prozent der Wiener Bevölkerung ab 15 Jahren trinken regelmäßig, also zumindest an 2-3 Tagen pro Woche alkoholische Getränke. Der Anteil der Abstinenten beträgt nach wie vor rund ein Fünftel.

Pittermann führte weiter aus: "Während sich die Wiener Situation insgesamt stabil darstellt, und es in der vorliegenden Befragung ein deutliches Zeichen des Einverständnisses der Wiener Bevölkerung mit den drogenpolitischen Maßnahmen der Stadt gibt, lassen sich die Entscheidungen der Bundesregierung auch in diesem Bereich immer schwerer nachvollziehen. In der Öffentlichkeit beklagen Blau und Schwarz die zunehmende Alkohol- und Drogengefährdung der Jugendlichen, in ihrer geplanten Novelle zur Gewerbeordnung sieht das ganz anders aus. Die gesetzlichen Einschränkungen für den Alkoholausschank an Jugendliche sollen fallen, ebenso die Verpflichtung, zumindest zwei antialkoholische Getränke billiger als Alkohol anzubieten", empörte sich die Wiener Gesundheitsstadträtin.

Wiener Drogenkoordinator: "Kein Anstieg bei Konsumenten"

Für den Wiener Drogenkoordinator und Geschäftsführer des FSW Peter Hacker zeigt die Studie in erster Linie folgendes Ergebnis:
"Manche werden von der IFES-Studie enttäuscht sein, weil sie nicht ausweist, dass mehr Menschen Drogen konsumieren. Wir können zweifelsohne feststellen: in Wien gibt es keinen Anstieg bei den Drogenkonsumenten. Die Maßnahmen der Wiener Drogenpolitik werden von einer großen Mehrheit der Bevölkerung geteilt und mitgetragen."

Hacker griff in diesem Zusammenhang einen weiteren Aspekt der IFES-Studie heraus: "Wir sehen, dass es ein großes Informationsbedürfnis gibt, quer durch alle gesellschaftlichen Gruppen und Altersschichten, vor allem bei Eltern. Wir werden daher heuer einen Informationsschwerpunkt setzen und bis zum Sommer entsprechende Produkte und Maßnahmen entwickeln." Hacker wies konkret auf eine Broschüre für Eltern von Volksschülern/innen hin, die den Eltern geeignete Maßnahmen zur Suchtprävention und ausführliche Informationen zum Thema, nahe bringen soll .

Einen weiteren Schwerpunkt will Hacker im Bereich der Beschäftigungsprojekte für Suchtkranke setzen. Im Rahmen des europäischen Projektes "Equal" werden zusätzliche Arbeitsplätze mit Fördermitteln der EU geschaffen werden.

Service: Studie ist unter www.drogenhilfe.at/ abrufbar. (Schluss) uls/flw

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Dr. Lisa Ulsperger
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Flo Winkler
Fonds Soziales Wien
Tel.: 4000/87 312
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