Gusenbauer: Keinen Wirtschaftsentwicklung ohne Demokratieentwicklung

Gusenbauer und Swoboda ehren Bruno Kreisky-Preisträger Amartya Sen für sein Buch "Ökonomie des Menschen"

Wien (SK) "Es kann keine Wirtschafts- und Sozialentwicklung ohne Demokratieentwicklung geben", sagte SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer am Montag Abend anlässlich der Verleihung der Bruno Kreisky-Preise für das politische Buch durch die Bildungsorganisation der SPÖ und das Renner Institut. Preisträger 2002 ist der Ökonom Amartya Sen für das Buch "Ökonomie für den Menschen - Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft", Anerkennungspreise gingen an "Mythos Nulldefizit" vom Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM) und an "Flucht nach Österreich - die Zweite Republik in Flüchtlingsportraits" von Robert Schlesinger und Melita H. Sunjic. ****

Gusenbauer verwies in seiner Laudatio auf Sen darauf, dass der Autor "jede Teilung von Freiheit ablehnt, was eine wichtige Erkenntnis für die Sozialdemokratie ist, denn die Sozial- und die Wirtschaftspolitik müssen für eine Vergrößerung der Freiheit sorgen". Gusenbauer sieht bei Sen die Forderung nach einem "aktiven Sozialstaat", der das Element der Grundfreiheiten sei. Damit würden Sens Ideen, jenen der Initiatoren des Sozialstaats-Volksbegehrens entsprechen. Der Vorsitzende der Jury, SPÖ-EU-Delegationsleiter Hannes Swoboda, wies darauf hin, dass Armut nicht nur auf mangelndes Geld zurückzuführen sei, sondern auch auf mangelnde Freiheiten, wie etwa ein Zugang zur Bildung: "Kinderarbeit ist zum Beispiel Zwang zur Arbeit und nimmt die Möglichkeit zur Ausbildung."

Gusenbauer legte in seiner Rede seinen Standpunkt dar, wonach "Freiheit sowohl Mittel als auch Sinn und Zweck des Fortschritts ist". Sen führe in seinem Buch zwei Arten von Freiheit an: "Die Freiheit von - und die Freiheit zu etwas." Demnach seien für den Ökonomen politische Mitwirkungsrechte nicht zweitrangig gegenüber wirtschaftlichen. "Diese Freiheiten wie Wahlen fördern also sogar die ökonomische Entwicklung", schloss der SPÖ-Vorsitzende aus Sens Werk. Gusenbauer sieht in dessen Werk eine "starke Nähe zum sozialdemokratischen Konzept der Chancengleichheit".

Swoboda sieht bei Sen eine Konzeption, wonach "bei einem System in Freiheit der Markt auch dazu gehört". Der Inder Sen setze sich auch mit der viel zitierten "asiatischen Mentalität" auseinander, also mit der Behauptung, Menschenrechte hätten in Asien eine andere Bedeutung. "Doch kann Sen nachweisen, dass die Frage der Toleranz auch in seiner Heimat Geschichte hat, und dass die Menschenrechte eigentlich keine neuen, westlichen Tugenden sind", sagte Swoboda.

Sen selbst sagte, man könne gar nicht gegen den freien Markt sein, denn sonst wäre man dagegen, dass die Menschen sich untereinander unterhielten. Aber es gehe um die Freiheit am Markt teilzuhaben, so der Kreisky-Preisträger. Er machte deutlich, dass Schwarze und Asiaten in den USA meist schlechtere Chancen hätten, als zum Beispiel in Indien oder Costa Rica, obwohl die USA doch die größte Wirtschaftsmacht sei, was Beleg dafür sei, dass "Freiheit nur stark und effektiv ist, wenn jede Art von Freiheit vorhanden ist".

Swoboda lobte auch das Buch "Flucht nach Österreich" von Schlesinger und Sunjic: "Es ist ein Buch über Menschen, die es für notwendig gehalten haben, nach Österreich zu fliehen und über ihre Schwierigkeiten sich in der neuen Gesellschaft zu integrieren." Zum Buch "Mythos Nulldefizit" sagte Swoboda, dass in diesem Buch "die Dimensionen wieder in eine richtige Ordnung gestellt werden - es gibt also Alternativen zum Sparkurs". Die Preisträger, ein Autorenkollektiv von BEIGEWUM, sehen in ihrem Preis eine Bestätigung der Bildungspolitik Kreiskys, der ihnen etwa durch die Öffnung der Universitäten den Zugang zur Bildung ermöglicht habe. (Schluss) re

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