HGPD: "Firma Österreich sucht rechtlose BilligarbeiterInnen"

Dienstleistungsgewerkschaft kritisiert Integrationsvertrag

Wien (ÖGB/HGPD) Der Integrationsvertrag mit der Ausweitung der Saisoniersregelung untergrabe den Arbeitsmarkt, warnten heute in einem Pressegespräch der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD) Vorsitzender Rudolf Kaske und sein Stellvertreter, AK-Vizepräsident Alfred Gajdosik (FCG). Kaske: "Da sucht die Firma Österreich rechtlose BilligarbeiterInnen und hoch qualifizierte Schlüsselkräfte. Die oft zitierte Integration bleibt auf der Strecke - statt dessen setzen die Saisoniers eine Lohnspirale nach unten in Gang und verdrängen InländerInnen und in Österreich integrierte AusländerInnen vom Arbeitsmarkt." Auch der Christgewerkschafter Gajdosik übte harsche Kritik an den Regierungsplänen: "Mit dieser Saisonierregelung ist dem Taglöhnertum Tür und Tor geöffnet."++++

"Der Wirtschaftsminister hat zwar recht, wenn er behauptet, dass auch die Saisoniers nach Kollektivvertrag bezahlt werden müssen", weiß Gajdosik aus Erfahrung: "Tatsache ist aber, dass oft Überstunden weder in Geld noch in Freizeit abgegolten werden." Und Kaske ergänzte: "Wenn Khol und Westenthaler in trauter Zweisamkeit behaupten, diese Leute würden ja sowieso nach dem KV bezahlt, dann kann ich nur bitter lachen. Verschwiegen wird, dass sieben von zehn Saisoniers nur den Mindest-KV oder knapp darüber bekommen. Da kommt der ungarische Küchenchef immer noch billiger als der österreichische Kollege jenseits der 40 zum Beispiel."

Der HGPD-Vorsitzende weiter: "Und dann behaupten Bartenstein, Khol und Westenthaler auch noch ständig, dass es auch in Zukunft nicht mehr als 15.000 Saisoniers - derzeit 8.000 Tourismus, 7.000 Landwirtschaft - geben werde. Wir haben die Zahlen des Jahres 2001 herausgesucht: Im letzten Jahr waren rund 31.000 Saisoniers beschäftigt." Kaske betonte noch einmal, dass seine Gewerkschaft dieser Kontingentvereinbarung nicht - wie vom Wirtschaftsminister behauptet - zugestimmt habe.

"Die Rechnung für diese Neuregelung werden wir in ein paar Jahren zahlen", fürchtete der HGPD-Vorsitzende: "Menschen sind nicht Saisonware, die man nach dem Ablaufdatum von zweimal sechs Monaten wegwirft. Gerade im Tourismus, aber auch in den anderen Branchen, brauchen wir MitarbeiterInnen, die ihren Lebensmittelpunkt mit ihrer Familie hier finden." Die Tourismusgewerkschafter abschließend: "Die Gewerkschaften stehen für Integration und für ein Miteinander in unserem Land. Inländer gegen Ausländer, Arbeitsplatzbesitzer gegen Arbeitslose aus zu spielen, darf nicht die Politik der Zukunft sein." (kk)Forts.

ÖGB, 12. März 2002 Nr. 209

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