"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zweierlei Maß" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 09.03.2002

Graz (OTS) - Diplomatendeutsch ist die hohe Kunst, Spurenelemente einer Meinung bis zur Unkenntlichkeit einzusüßen. Gemessen daran ist der Brief, den Botschafter Gerhard Pfanzelter im Zusammenhang mit dem unter Folterverdacht stehenden österreichischen UNO-Polizisten an Kofi Annan schrieb, ein Ausbund an Konkretheit.

Die "Handhabung des Falles", so heißt es darin wörtlich, könnte nicht nur die rot-weiß-rote UNO-Mission im Kosovo, sondern "die Beteiligung Österreichs an allen friedenserhaltenden Operationen der UNO gefährden".

Wie immer das Schreiben "gemeint" war, relevant ist, wie es ankam:
als Drohgebärde und staatliche Intervention, um Ermittlungen zu unterbinden.

Man habe nur ein "korrektes Verfahren" eingemahnt, sagt die von ihrem Apparat offenbar erneut entkoppelte Außenministerin. Eine kecke Forderung, wenn man zuvor den Behörden den Beschuldigten entzieht und an der UNO vorbei außer Landes schleust.

Die Heimholung wird sich als patriotische Hilfeleistung darstellen lassen, doch der Vorwurf, das Außenamt messe mit zweierlei Maß, bleibt: Die in Genua (unschuldig) inhaftierten Globalisierungsgegner hatten vergebens auf den staatlichen Schutzinstinkt gehofft. ****

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