"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Mehr Mut zum Unbeliebtsein!

Ausgabe vom 09.03.2002

"Krampfaderngeschwader", "frustrierte Weiber" oder "Emanzen" nennen Männer seit mindestens über einem Jahrhundert Frauen, die Forderungen stellen. Solche markigen Sprüche dürften bereits die Dialoge der deutschen Frauenrechtlerin Clara Eißner-Zetkin gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit ihren Genossen geschmückt haben. Anno 2002 artikulieren
sich die Stammtischhelden nicht viel einfallsreicher. Dennoch meinen so
viele Frauen heute lieblich lächelnd, es gehe allen eh so gut, und wenn
nicht - selber schuld.

Wenn es uns - verhältnismäßig und auch nicht allen - gut geht, so deshalb, weil Generationen von Frauen vor uns hart um jeden neuen Lebensraum gekämpft haben. Heute müssen wir allen danken, die vorangegangen sind - mit dem Wahlrecht für Frauen, der Aufhebung von diskriminierenden Paragrafen, humaneren Arbeitszeiten, Sozialhilfe, freien Zugang zur Bildung... In Österreich ist Fortschritt untrennbar mit dem Namen Johanna Dohnal verbunden, die mit profunder Sachpolitik und Mut zum Unbeliebtsein vieles durchgedrückt hat.

An solchen Quantensprüngen fehlt es heute. Die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen wird immer größer, die Zahl der geringfügig Beschäftigten steigt. Frauen, die für diese Gesellschaft viel geleistet haben, stehen ohne auch nur die geringste realistische eigenständige existenzielle Absicherung da, wenn ihr Mann als Existenzgeber ausfällt. Wo stehen viele Frauen heute? Sie müssen -wie es Marianne Mendt kürzlich so treffend formulierte - einen Mann ums Geld für ein paar Strümpfe bitten.

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