WirtschaftsBlatt-Kommentar: Gesamteuropäische Geburtenkontrolle von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Wie viel darf die EU-Erweiterung kosten, wie viel Zuwanderung oder gar Überfremdung darf sein? Diese klassischen Fragen stellen sich EU-Bürger, Politiker und Medien. Andere drängende Probleme fallen unter den Tisch oder werden bestenfalls in ihrer regionalen Bedeutung erkannt, obwohl sie längst wie eine gesamteuropäische Zeitbombe ticken.

Europa wird alt, die Bevölkerungen schrumpfen. In dieser Feststellung ist die europäische Einteilung in Ost und West bereits aufgehoben: Überall, mit Ausnahme vielleicht in Albanien und in einigen kleinen Ecken Südosteuropas, bilden sich die Bevölkerungszahlen zurück. Wie im wohlstandsgesättigten Westen schieben auch die jungen Rumänen, die Bulgaren, die Polen und andere den Zeitpunkt der Familiengründung so lange wie möglich hinaus. Lediglich die Alterungsquote ist dort noch gebremst, aber aus einer Ursache, die alles andere denn erfreulich ist: Osteuropäer sterben im Durchschnitt noch immer weit früher. Rumänische und ungarische Männer haben eine Lebenserwartung von 66 Jahren, österreichische von 75. Bei den Frauen ist die Kluft bei höherem Erwartungsalter ähnlich groß.

In wenigen Jahren werden Bevölkerungsdefizite Italiens, Österreichs, Deutschlands und anderer Weststaaten nicht mehr durch Osteuropäer ausgeglichen werden. Auch im Osten werden manche Wirtschaftssparten freie Arbeitsplätze nur noch mit Zuwanderern besetzen können. Aber woher nehmen? Das ungefähr wird der Moment sein, in dem die Europäer (Ost und West), weise gealtert, draufkommen, dass sie zusammen gehören. Ein Aha-Erlebnis ist bereits berechenbar: Die jungen Europäer, die sich heute privat und individuell entscheiden, mit dem Kinderkriegen zuzuwarten, werden um 60 herum draufkommen, dass offenbar fast alle Europäer (Ost und West) kollektiv die gleiche Entscheidung getroffen haben. Denn von England bis zum Schwarzen Meer werden Millionen pensionsreifer Menschen sowohl fragen, wer ihre Rente finanziert, als auch, wie sie ihre erst 20- oder 25-jährigen Kinder (so vorhanden) über die Runden bringen können, weil diese noch keine adäquaten Jobs haben oder studieren. Die europäische Wohlstandsgesellschaft hat wie durch geheime Absprache eine Phasenverschiebung eingebaut. Sie regeneriert sich auf Pump, indem sie heute Annehmlichkeiten genießt, die sie später bezahlt. (Schluss) was

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