Feminismus müsste wieder sexy sein

Zukunftswerkstätte-Diskussion: "Die Generation Ally"

Wien (SK) Die Diskussionsveranstaltung in der Zukunftswerkstätte am Donnerstag Abend zum Thema "30erinnen - Die Generation Ally" brachte eine zentrale Erkenntnis zu Tage:
"Feminismus müsste wieder sexy sein." Denn, so zeigte sich die Soziologin, Journalistin und Autorin des Buches "Generation Ally", Katja Kullmann, überzeugt: "Unter den 'neuen Frauen' gibt es ein Sehnen nach der Renaissance des Frauenbewegungsgedankens. Man weiß nur nicht, wie man es anstellen soll." Birgit Fenderl, bekannt als Moderatorin der ZIB 3 und Autorin des Buches "30erinnen" konnte dieser These einiges abgewinnen. Als "größtes Hemmnis" für Frauen im Beruf sah Fenderl die "Männerkultur" - Stichwort Bier und Witze. Der einzige Mann am Podium, der Psychoanalytiker Erich Lehner, zeigte sich bezüglich der Gleichstellung der Geschlechter gedämpft optimistisch: Zwar sei ein Umdenken innerhalb der Männerwelt zu konstatieren, doch insgesamt seien die gesellschaftlichen Weichenstellungen gestellt, die zu den traditionellen Geschlechterverhältnissen führen - "spätestens ab dem zweiten Kind". ****

"Bei mir im Büro haben die Männer wenigstens ein schlechtes Gewissen, wenn sie sexistische Bemerkungen machen", machte Birgit Fenderl auf ihre - gegenüber vielen anderen Frauen - "privilegierte" Rolle aufmerksam. "Wir sind noch mit vollkommener Selbstverständlichkeit an die Uni gegangen - nach dem Motto: Uns gehört sowieso die Hälfte", skizzierte Fenderl eine charakteristische Einstellung der 30erinnen. Dass diese scheinbare Gleichstellung "nicht ganz der Fall" sei und die sogenannte "gläserne Decke" noch lange nicht durchstoßen sei, wie Fenderl hinwies, konnte Lehner nur unterstreichen. Parallel zur gläsernen Decke zeichnete Lehner das Bild der gesellschaftlich installierten "gläsernen Rolltreppe", die alle noch so alternativ und modern denkenden Männer zurück zum traditionellen Rollenbild führe.

Muss sich eine Frau wie ein Mann benehmen, um Erfolg zu haben? Für Kullmann erwies sich diese Frage als "müßig": "Wir sind noch gar nicht so weit, dass wir uns diese Frage stellen können." Demgegenüber wäre es laut Kullmann, "vielleicht Zeit, die Ellbogen wieder auszupacken". "Die große Veränderung kann nicht von den Frauen kommen", konstatierte Lehner. Denn die größte Latte liege in der Männerwelt selbst. Das bedeute aber nicht, dass die Geschlechterfrage auf der Couch oder in der Selbsthilfegruppe für Männer gelöst werden könne. Zu deren Lösung bedürfe es einerseits die symbolische Unterstützung von Außen, und die Durchsetzung der Frauen von Innen. Die Tatsache, dass eine geschlechtergerechte Gesellschaft für alle Beteiligten - also Mann und Frau - gesünder und angenehmer sei, stand für die Diskutanten außer Frage. (Schluss) lm

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