"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Nur Sprechblasen?" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 8. 3. 2002

Innsbruck (OTS) - Sozialminister Haupt hat bereits die
Sprechblase zum heutigen Frauentag geliefert: Er sei für einen Generalkollektivvertrag mit einem Mindestlohn von tausend Euro! Wie so oft, wenn es um Frauenanliegen geht, hat ein Mächtiger (immerhin der Sozial- und Frauenminister) einen klangvollen Satz locker hingeworfen, die Ausführungsbestimmungen aber offen gelassen. Trotz stets wiederkehrender Beteuerungen hat das Ärgernis ungleicher Entlohnung von Mann und Frau nichts an Schärfe verloren.

Man mag den Wandel noch so sehr ersehnen: Die überfälligen Verbesserungen werden sich erst dann einstellen, wenn von der Politik über die Wirtschaft ausreichend Frauen in führenden Positionen angelangt sind. Aber genau dort, wo die wichtigen Entscheidungen fallen, sind die frauenfreien Zonen noch immer groß. Männliche Netzwerke agieren allerorten in unveränderter Dichte. Manches hat sich geändert, perfide Strategie kommt aber in neuer Verkleidung. Besorgt fragen die Herren: "Ist die Zeit reif für die erste Frau im Vorstand dieses oder jenes Unternehmens? An der Spitze eines Landes?" Gegenfrage: Wann ist die Zeit männlicher Dominanz endgültig abgelaufen? Will eine Frau ganz nach oben, muss sie immer wieder die Frage beantworten, wie sich dieser Wunsch denn mit ihren Kindern vereinbaren lasse. Symptomatisch: 98 Prozent der männlichen Führungskräfte in Deutschlands Wirtschaft haben Kinder, von den ohnedies nur wenigen Frauen sind es 47 Prozent.

Hat eine Frau - etwa in der Politik - einen beachtlichen Weg zurück gelegt und wagt es dann, Frauenthemen anzusprechen, kann mitunter umgehend der Karrierestopp die Folge sein. Man schätzt die Frauen, aber wenn sie mutig für Ihresgleichen etwas erreichen wollen, dann schwindet der Zuspruch der Herrn rapide. Es sei fest gehalten:
Es geht nicht um Extras, es geht um die Anerkennung von Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit.

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